Aktualisiert 23.02.2013 09:36

Zu alte Behälter

Undichte Atommülltanks in US-Atomanlage

In der amerikanischen Atomanlage Hanford im US-Staat Washington sind sechs unterirdische Tanks mit nuklearem Abfall undicht. Gouverneur Jay Inslee nannte die Nachricht am Freitag «beunruhigend».

von
bem

In der vergangenen Woche war zunächst bekanntgeworden, dass einer von 177 Tanks mit Atommüll leckt. Die Behälter, die meisten einwandig, sind inzwischen weit über ihre vorgesehene Nutzungsdauer von 20 Jahren hinaus. In ihnen befinden sich Millionen von Litern eines hoch radioaktiven Gebräus aus Jahrzehnten der Plutoniumproduktion für Atomwaffen.

Gouverneur Inslee erklärte nach einem Treffen mit dem US-Energierminister Steven Chu, dieser habe ihm gesagt, dass die Lecks in den anderen Tanks erst nicht erkannt wurden, weil die grafische Darstellung des Pegelstands in den Tanks falsch interpretiert wurde. Eine erneute Überprüfung der Daten habe aber klar aufgezeigt, dass mehrere Tanks offenbar Flüssigkeit verlören. Das lasse befürchten, dass mehr als sechs Tanks betroffen seien, sagte Inslee. Ihm sei aber versichert worden, dass keine unmittelbare Gefahr für Menschen bestehe, und dass es Jahre dauern könne, bis die ausgetretene Flüssigkeit das Grundwasser oder den Columbia River erreiche.

Die US-Regierung schuf den Nuklearkomplex Hanford in den 1940er Jahren als Teil des streng geheimen Manhattan-Projekts zum Bau der Atombombe. Der erste Nuklearreaktor der Welt, Reaktor B, befindet sich auf dem Gelände. Es bestehen Pläne, Reaktor B zu einem Nationalpark zu machen.

Sanierung wird Jahrzehnte dauern

Die Anlage wird seit Jahren saniert, die Tankanlage mit dem Atommüll soll geschlossen werden, um den Columbia River zu schützen. Seit 1998 ist das eigens dafür geschaffene Büro für den Schutz des Flusses im Energiedepartement mit der Schliessung der Tankanlage betraut.

Dazu wird eine Anlage gebaut, die die Millionen Liter flüssigen Atommüll in eine glasartige Masse für eine sichere Lagerung umwandeln soll. Ihre Kosten sind auf 12,3 Milliarden Dollar veranschlagt - die Bauarbeiten sind hinter dem Zeitplan und die Kosten schon um Milliarden darüber gestiegen.

Insgesamt wendet die US-Regierung jährlich zwei Milliarden Dollar für die Sanierung der Hanford-Anlagen auf, in der 40 Jahre lang Plutonium produziert wurde - sie wird mehr als vier Jahrzehnte dauern.

TV-Bericht nach der ersten Meldung eines leckenden Tanks:

(bem/sda)

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