Bezirksgericht Zürich: Unfall auf Unfall im Vollrausch
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichUnfall auf Unfall im Vollrausch

Rekordverdächtig: Ein Aargauer Wirtschaftsprüfer hat mit mindestens 2,23 Promille Alkohol im Blut mit seinem Auto innert zehn Minuten gleich drei Unfälle gebaut.

von
Attila Szenogrady

«Ich war damals grausam betrunken», erinnerte sich der heute 34-jährige Wirtschaftsprüfer aus Merenschwand (AG) an den 4. August 2007 zurück. Damals hielt sich der erfolgreiche Kaufmann im Zürcher Restaurant Seerose auf und trank sich mit einigen Berufskollegen einen mächtigen Rausch an. Als der Aargauer Angeklagte in den frühen Morgenstunden seinen Personenwagen der Marke Mini Cooper bestieg, hatte er mindestens 2,23 Promille Alkohol im Blut.

Unfall auf Unfall gebaut

Was danach folgte, ist kaum nachvollziehbar. Schon nach wenigen Minuten überholte der Blaufahrer an der Alfred-Escher-Strasse widerrechtlich ein Motorrad mit übersetzter Geschwindigkeit und prallte kurz darauf von hinten in ein Taxi hinein. Als der Taxichauffeur den Beizug der Polizei verlangte, suchte der Angeklagte mit seinem Fahrzeug das Weite. Doch nur bis zum Stauffacher, wo er in einen Baum hinein krachte und seinen Wagen noch stärker beschädigte. Trotz allem setzte der einschlägig vorbestrafte Blaufahrer die gefährliche Amokfahrt fort. Er kam allerdings nur bis auf die Hardbrücke, wo er hinter dem Lenkrad einnickte und gegen einen Bordstein geriet. Mit der Folge, dass der Wagen siebzig Meter weit über den Asphalt geschleudert wurde und erst vor einer Bushaltestelle zum Stillstand kam. Der Angeklagte hatte Glück im Unglück und kam mit leichten Blessuren davon.

Hohe Geldstrafe verlangt

Am Mittwoch musste sich der geständige Aargauer vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der zuständige Staatsanwalt verlangte neben einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten eine unbedingte Geldstrafe von 120 Tagesätzen zu 200 Franken, also insgesamt 24 000 Franken, sowie eine Busse von 1 500 Franken. Der Angeklagte bezeichnete seinen Vollrausch als Tatmotiv. Gerade weil so viel Alkohol im Spiel gewesen sei, habe er mit seinem Personenwagen den Heimweg angetreten, sagte er. Sein Verteidiger forderte neben einem bedingten Freiheitsentzug von sechs Monaten eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse von 1 500 Franken.

Relativ milder Denkzettel

Obwohl der Angeklagte eine einschlägige Vorstrafe auf dem Kerbholz hatte, verpasste ihm das Gericht einen relativ milden Denkzettel. Es verzichtete auf eine Freiheitsstrafe und setzte eine bedingte Geldstrafe von 224 Tagessätzen zu 130 Franken fest, was bei einer Probezeit von drei Jahren eine Sanktion von insgesamt 29 120 Franken auf Bewährung bedeutete. Dafür sprach das Gericht eine zusätzliche und happige Busse von 6 500 Franken aus. Diese Summe soll der gut betuchte Angeklagte abliefern. Er habe schliesslich ein riesiges Gefährdungspotential geschaffen, erklärte der Gerichtspräsident Roland Heimann zum Schluss.

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