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Aufatmen in FrankreichUnfall bei AKW offiziell beendet

Bei der Explosion eines Ofens beim AKW Marcoule im Süden Frankreichs ist eine Person ums Leben gekommen. Die Behörden haben mittlerweile Entwarnung gegeben. Keine Radioaktivität ist ausgetreten.

Bei der Explosion eines Verbrennungsofens in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ist am Montag ein Arbeiter getötet worden. Vier weitere Menschen wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums verletzt, aber nicht radioaktiv verstrahlt.

Auch in die Umgebung der Anlage, die etwa 20 Kilometer von Avignon entfernt ist, entwich der Regierung zufolge keine Radioaktivität.

In dem explodierten Ofen wurden schwach radioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt. Dazu gehörten nach Angaben eines Sprechers des staatlichen Stromkonzerns EDF Pumpen, Rohre, Arbeitsanzüge und Handschuhe.

«Es handelt sich um einen Industrieunfall, nicht um einen Atomunfall», sagte der Sprecher von EDF, dessen Tochterunternehmen Socodei die Anlage betreibt. Ein Feuer, das durch die Explosion ausgelöst wurde, brachte die Feuerwehr schnell unter Kontrolle. Die Explosionsursache war zunächst unklar.

Die Behörden richteten sofort nach dem Unglück eine Sicherheitszone ein. Die Anlage in Codolet, die zum Atomkomplex Marcoule gehört, wurde aber laut Innenministerium nicht evakuiert. Weder in der Anlage noch ausserhalb sei Radioaktivität gemessen worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Greenpeace: Lektion nicht gelernt

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte, die Bevölkerung schnell über mögliche radioaktive Schäden zu informieren. Die Anlage gehöre nicht zu denen, die nach Willen der Regierung nach dem Unglück im japanischen Fukushima auf ihre Sicherheit untersucht werden sollen.

«Das zeigt noch einmal, dass Frankreich die Lektion aus Fukushima nicht gelernt hat», erklärte Yannick Rousselet von Greenpeace. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA forderte von Frankreich Informationen zu dem Unglück an.

Grösster MOX-Produzent

In einem anderen Teil der Anlage Marcoule wird das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX produziert, das aus abgebrannten Uran-Brennstäben hergestellt wird. Erst im vergangenen Jahr hatte die Atomaufsicht dort zu «Wachsamkeit und Fortschritten» in Fragen der Sicherheit gemahnt.

Im Frühjahr 2009 hatte sich in der MOX-Produktionsstätte ein Unfall der Stufe zwei auf einer siebenstufigen Skala ereignet. Marcoule im Rhonetal ist der weltweit grösste Herstellungsort der MOX-Brennstäbe.

Auf dem Gelände befindet sich kein Atomkraftwerk. Allerdings gibt es dort mehrere kleinere Reaktoren, die allesamt stillgelegt sind. Das letzte Kraftwerk, ein sogenannter Schneller Brüter, stellte 2010 den Betrieb ein.

Frankreich ist mit 58 AKW der grösste Atomstromproduzent Europas. Auch nach der Katastrophe in Fukushima hält die Regierung in Paris an der Atomkraft fest. Sie begründet das mit der ihren Angaben zufolge hohen Sicherheit französischer Atomkraftwerke. (sda)

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