Bezirksgericht Meilen: Unfall mit 10 Verletzten – Busfahrer verurteilt
Aktualisiert

Bezirksgericht MeilenUnfall mit 10 Verletzten – Busfahrer verurteilt

Nach einem schweren Unfall mit zehn Verletzten in Zollikon ZH schob ein Linienbus-Fahrer die Schuld auf die defekte Bremse. Doch das Gericht glaubte ihm nicht.

von
Attila Szenogrady
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Im zürcherischen Zollikon ist am 20. März 2012 ein Bus der Linie 910 mit einem Laster kollidiert .

Im zürcherischen Zollikon ist am 20. März 2012 ein Bus der Linie 910 mit einem Laster kollidiert .

Markus Heinzer, newspictures
Der Buschauffeur erlitt schwere Verletzungen.

Der Buschauffeur erlitt schwere Verletzungen.

Markus Heinzer, newspictures
Der Bus der Autobus Zürich-Zollikon-Küsnacht (AZZK) fuhr von Zollikerberg nach Zollikon. In einer Rechtskurve geriet er auf die Gegenfahrbahn.

Der Bus der Autobus Zürich-Zollikon-Küsnacht (AZZK) fuhr von Zollikerberg nach Zollikon. In einer Rechtskurve geriet er auf die Gegenfahrbahn.

Markus Heinzer, newspictures

Der Horrorunfall geschah am 20. März 2012, als ein Bus der Linie 910 in Zollikon ZH am Morgen über die Bergstrasse in Richtung See fuhr. Nach der Haltestelle Allmend verwechselte der heute 60-jährige Buschauffeur laut Anklage in einer Kurve das Brems- mit dem Gaspedal und beschleunigte deshalb von 40 km/h auf 55 km/h. Ein grobfahrlässiger Fehler mit fatalen Folgen. So geriet der Linienbus auf die Gegenfahrbahn und kollidierte dort frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Lastwagen.

Der Aufprall der beiden Fahrzeuge war so heftig, dass sich diverse Personen zum Teil erhebliche Verletzungen zuzogen. Unter ihnen der LKW-Lenker sowie acht Passagiere des Busses. Am schlimmsten erwischte es aber den Buschauffeur, der mit schwersten Becken- und Beinverletzungen über eine Stunde lang im Führersitz eingeklemmt war – bis ihn die Feuerwehr herausschweissen konnte.

14 Monate Freiheitsstrafe bedingt gefordert

Seit dem letzten April beschäftigten die juristischen Folgen des Unfalls das Bezirksgericht Meilen. Der ehemalige Buschauffeur musste wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten rechnen. Der zuständige Staatsanwalt Jürg Boll sprach von einem schweren Verschulden des Beschuldigten und verwies auf ein Unfallgutachten, das ein Bremsversagen ausschloss und befand, dass der Beschuldigte beschleunigt habe.

Der polnische Ex-Buslenker – er ist heute zu 100 Prozent arbeitsunfähig – und sein Verteidiger wiesen die Vorwürfe der Anklage zurück und machten eine mutmasslich defekte Bremse für die Kollision verantwortlich. Der Rechtsanwalt verwies auf den allgemein schlechten technischen Zustand des Busses, dessen Wartungsunterlagen heute verschwunden seien. Zudem handle es sich beim Beschuldigten um einen erfahrenen Fahrer, der über elf Jahre lang zuverlässig für den Autobus-Betrieb gearbeitet habe.

Horrend teure Nebenfolgen

Das Bezirksgericht Meilen hat den IV-Rentner gemäss dem nun eröffneten Urteil im Sinne der Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln für schuldig befunden. Bei der Strafzumessung wichen die Richter jedoch stark vom Antrag des Staatsanwaltes ab und setzten eine milde Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken fest. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass der Beschuldigte von den Folgen des Crashs selber sehr stark betroffen ist und heute noch sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht massiv leidet. Die 6300 Franken muss er also nicht zahlen. Bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Allerdings hat der Ex-Busfahrer mit horrend teuren Nebenfolgen zu rechnen. So muss er einer verletzten Privatklägerin grundsätzlich Schadenersatz und Genugtuung in einer noch zu ermittelnden Höhe bezahlen. Zudem soll er ihr eine Prozessentschädigung von 2606 Franken entrichten.

Am schlimmsten wiegt aber für ihn die Kostenauflage bezüglich der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens. Aufgrund des aufwendigen Unfallgutachtens und der Einstellung des Linienbusses beträgt die gesamte Gerichtsgebühr happige 40'979 Franken. Für sie soll allein der Beschuldigte aufkommen. Er kann das Urteil an das Zürcher Obergericht weiterziehen.

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