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Lieber Phil GeldUnfall mit dem Firmenauto – wer bezahlt?

Timo (19) hat mit dem Geschäftswagen einen Unfall verursacht. Muss er nun für den Schaden am Auto aufkommen?

Ob der «Transporter» wohl für die zahlreichen geschrotteten Dienstwagen aufkommen musste? (Bild: EuropaCorp)

Ob der «Transporter» wohl für die zahlreichen geschrotteten Dienstwagen aufkommen musste? (Bild: EuropaCorp)

Lieber Phil Geld

Ich bin Kurier und habe unglücklicherweise während einer Fahrt einen Unfall mit dem Geschäftswagen verursacht. Wer bezahlt nun den Schaden?

Lieber Timo

Ob und in welchem Umfang ein Arbeitnehmer für Schäden, die er dem Arbeitgeber zugefügt hat, haftbar gemacht werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem vom Verschulden des Arbeitnehmers, dessen Fähigkeiten, einem allfälligen Mitverschulden des Arbeitgebers und dem Berufsrisiko (Art. 321e Abs. 2 OR).

Grundsätzlich aber haftet der Arbeitnehmende nur für Schäden, die er seinem Arbeitgeber absichtlich oder fahrlässig zufügt (Art. 321e Abs. 1 OR). Bei der Beurteilung der Fahrlässigkeit wird zwischen der leichten, mittleren und groben Fahrlässigkeit unterschieden.

Bei leichter Fahrlässigkeit kann die Haftung des Arbeitnehmenden stark verringert oder sogar ganz ausgeschlossen werden. Bei mittlerer Fahrlässigkeit sind sowohl Arbeitgeber als auch -nehmer an der Schadensdeckung beteiligt. Die Haftungsreduktion fällt jedoch bereits wesentlich geringer aus. Bei grober Fahrlässigkeit können Arbeitnehmende unter Umständen für den gesamten Schaden haftbar gemacht werden.

Bei Schäden an Geschäftsfahrzeugen ist dem Aspekt des Berufsrisikos besondere Bedeutung zuzumessen, zumal das berufliche Autofahren als risikobehaftete, «schadensgeneigte» Tätigkeit gilt. Unter Berufsrisiko wird allgemein die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts bei gewissen Berufen verstanden.

Tritt ein Schaden am Geschäftsfahrzeug ein, muss zunächst die Schadenshöhe bestimmt werden. Hat der Arbeitgeber für das betreffende Fahrzeug eine Versicherung abgeschlossen, haftet der Arbeitnehmende grundsätzlich nur noch, wenn ein Selbstbehalt zu bezahlen ist, mögliche Regressansprüche der Versicherung anfallen oder eine erhöhte Versicherungsprämie durch Bonusverlust entsteht.

Bei keinem Verschulden oder lediglich leichter Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmende nicht. Liegt mittlere Fahrlässigkeit vor, reduziert sich die Haftung zumindest deutlich.

In welchem Umfang du für den Schaden aufkommen musst, lieber Timo, hängt somit von deinem Verschulden sowie der von deinem Arbeitgeber abgeschlossenen Versicherung ab.

Freundlich grüsst

Phil Geld

Phil Geld E-Mail: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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