Aktualisiert 18.05.2005 07:07

Unfalltest für A380

Dichter Rauch steigt aus den Turbinen des Airbus A380 empor. Der Riesenvogel muss notlanden. Binnen 90 Sekunden gilt es, 873 Menschen zu retten.

Rund ein Jahr vor der Auslieferung der ersten Maschinen will Airbus den Ernstfall üben. Der Katastropheneinsatz wird im Sommer im deutschen Finkenwerder geprobt. Dafür sucht das Unternehmen 1100 bis 1200 Freiwillige aus Hamburg und der Region. «Die Erfahrung bestätigt: Wir werden keine Probleme haben, genügend Freiwillige für unsere Evakuierungstests zu finden», sagt Francis Guimera, der Sicherheitsdirektor des A380- Programms.

«Attraktives Erlebnis»

«Für viele ist es sogar ein attraktives Erlebnis, einmal bei einem Evakuierungsmanöver eines ganz neuen grossen Flugzeuges dabei sein zu dürfen», sagt der erfahrene Airbus-Ingenieur. «Obwohl diese Zulassungstests wirklich kein Kinderspiel sind und leichtere Verletzungen nie ganz ausgeschlossen werden können.»

So gab es auch schon Probanden, die bei ähnlichen Übungen in der Vergangenheit Hautabschürfungen, Prellungen sowie Arm- und Beinbrüche davontrugen.

Weil das grösste Verkehrsflugzeug der Welt 555 bis maximal 853 Passagieren Platz bietet, gehen die europäischen und amerikanischen Luftfahrt-Zulassungsbehörden auch vom Maximum aus. 853 Passagiere, 18 Flugbegleiter und zwei Piloten müssen in 90 Sekunden in Sicherheit gebracht werden.

Fiktive Katastrophe

Während der fiktiven Katastrophe stehen für die Rettung der Passagiere nur die Hälfte der Ausgänge des doppelstöckigen Airbus zur Verfügung. Das hat seinen Grund: Im Fall eines realen Unglücks muss davon ausgegangen werden, dass nicht alle Türen zur Bergung der Passagiere geöffnet werden können.

Ein pures Vergnügen werden die Tests für die Probanden vermutlich nicht. Schliesslich geht es vom Hauptdeck des Airbus 7,9 Meter in die Tiefe; die Oberdeck-Rutschen sind 14 Meter lang. Sich bewerben und mitmachen darf grundsätzlich jeder, der volljährig ist.

Ein paar Einschränkungen gibt es allerdings schon: Unter anderem darf keiner der 873 Teilnehmer in den vergangenen sechs Monaten an ähnlichen Übungen teilgenommen haben. Mindestens 40 Prozent müssen Frauen und 35 Prozent aller Probanden älter als 50 Jahre sein. Auf diese Weise soll ein getreues «Abziehbild» der Passagiere erreicht werden. Kinder und Behinderte sind von der Übung ausgenommen.

Die Tests werden ablaufen, als trete der Ernstfall in der Nacht ein. Die Beleuchtung am Boden wird minimal sein. Die Notrutschen blasen sich in fünf bis sechs Sekunden auf. Piloten, Flugbegleiter, Airbus-Fachleute und Experten der Luftfahrtbehörden werden nach dem Test das Manöver analysieren.

Binnen fünf Tagen wird ein zweiter Versuch unter Berücksichtigung der gewonnen Erfahrungen angesetzt. Bei beiden Übungen werden auch zwei Ärzte sowie Krankenschwestern dabei sein.

Airbus-Ingenieur Francis Guimera ist schon oft gefragt worden, ob das Unternehmen bei dem Riesenflieger wirklich garantieren könne, die Auflagen der Behörden zu erfüllen. «Wir hätten das A380- Programm nie begonnen, wenn wir nicht von vornherein sicher gewesen wären, auch das Evakuierungssystem zu beherrschen», sagt er.

(sda)

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