Aktualisiert 29.04.2016 13:08

Billig-Angebote

Ungarische Zahnärzte buhlen um Schweizer

Zahnärzte aus Ungarn locken Schweizer Patienten mit günstigen Angeboten nach Budapest. Der Schweizer Zahnärzte-Verband warnt vor Risiken.

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Wer in der Schweiz zum Zahnarzt geht und Füllungen oder eine Krone braucht, zahlt schnell mehrere tausend Franken. Ein Umstand, welcher beii ungarischen Zahnärzten nicht unbemerkt geblieben ist. Die Zahnärzte von «Dental Europe» werben in der Schweiz unter anderem auf Facebook für ein attraktives Angebot: gratis Vorabklärung und Nachkontrolle in einer Zürcher Praxis, Behandlung in Ungarn.

Die Gesamtkosten seien 50 bis 70 Prozent tiefer als bei einem Schweizer Zahnarzt. Zwei Füllungen bekomme man bereits für 300 Franken, die Ärzte sprächen fliessend Deutsch und Englisch und seien alle zwei Wochen in Zürich, heisst es beim Anbieter «Dental Europe».

«Zahnärzte, die nur auf Profit aus sind»

Die Konkurrenz aus Osteuropa beunruhigt die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO). In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «zahninfo» warnt sie vor den «Lockrufen aus Ungarn». Besonders in Genf habe man die Werbeaktionen der Ungarn wahrgenommen, sagt Sprecher Marco Tackenberg, weshalb man nun vor den zahlreichen Risiken einer solchen «Billig-Behandlung» warne.

«Immer wieder kommt es vor, dass Patienten, wenn sie einmal im Ausland sind, durch Zusatzkosten überrascht werden», erklärt Tackenberg. Ohne Zweitmeinung sei zudem die Gefahr einer Überbehandlung gross. Man habe es mit Zahnärzten zu tun, die ausschliesslich auf Profit aus seien.

Verband interveniert beim BAG

«Ich weiss von Fällen, bei denen Patienten in Ungarn waren und dann wieder zu einem Schweizer Zahnarzt gingen. Dieser merkte dann: Die Ungarn hatten Behandlungen vorgenommen, die völlig unnötig gewesen wären.» Die ungarischen Zahnärzte würden bei Schweizer Patienten zudem nicht den ungarischen Zahnarzttarif anwenden, sondern die Preise verdrei- oder vervierfachen.

«Auch wenn ein ausländischer Zahnarzt topqualifiziert ist und die Behandlung korrekt durchführt, leidet die Qualität, da die Therapie in kürzester Zeit durchgeführt werden muss.» Das Problem habe sich die durch die bilateralen Verträge verschärft. «Jeder EU-Bürger kann in der Schweiz 90 Tage lang ohne Auflagen arbeiten. Das führt dazu, dass ausländische Ärzte hier behandeln dürfen, wenn später Komplikationen auftreten aber oft unauffindbar sind.» Das Problem sei so gross, dass man deswegen seit kurzem in Gesprächen mit dem Bundesamt für Gesundheit sei.

«Wieso sollen wir besonders auf Profit aus sein?»

Bei «Dental Europe» kontert man die Vorwürfe der SSO: «Wieso sollen wir besonders auf Profit aus sein? Nur weil wir Ungaren sind?», sagt Kundenberaterin Alexandra Füle. Man sei seit zehn Jahren in Zürich und behandle Patienten in zwei Praxen. «Unsere Ärzte tauchen nicht einfach ab. Sie kommen alle zwei Wochen nach Zürich, um allfällige Nachkontrollen durchzuführen.» Man verechne tatsächlich höhere Preise als beim ungarischen Zahntarif. «Wir müssen ja auch die kostenlosen Beratungen und die Praxen in der Schweiz finanzieren.»

Man sei grundsätzlich vorsichtig. «Wir setzen nicht direkt die Krone auf frisch eingesetzte Implantate, da muss ein Patient ein zweites Mal kommen.» Dies sei aber nicht bei allen ungarischen Zahnärzten in der Schweiz so. Füle sagt aber auch, dass Behandlungen in einem Durchgang oft ein Kundenwunsch sei. «Bei Schweizer Ärzten wird eine Behandlung oft aufgestückelt, wir machen es häufiger in einem Durchgang, weil es explizit von den Patienten gewünscht wird.»

Haben Sie sich in Ungarn von einem Zahnarzt behandeln lassen und positive oder negative Erfahrungen gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

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