Defizitär: Ungarn zerstreut die Zweifel
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DefizitärUngarn zerstreut die Zweifel

Nach den nervösen Reaktionen der internationalen Finanzmärkte auf eine womöglich drohende Zahlungsunfähigkeit hat sich die ungarische Regierung um Schadensbegrenzung bemüht.

Staatssekretär Mihaly Varga.

Staatssekretär Mihaly Varga.

Derlei Äusserungen von Mitgliedern der neuen Regierungspartei Fidesz seien «übertrieben und unglücklich», sagte Staatssekretär Mihaly Varga in Budapest. Die Mitte-Rechts-Regierung werde daran arbeiten, die Neuverschuldung auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen.

Der Euro rutschte am Freitag wegen Sorgen über Ungarn zeitweise auf den tiefsten Stand seit vier Jahren unter die Marke von 1,20 Dollar. Der ungarische Forint brach sogar um fünf Prozentpunkte ein und die Börse in Budapest schloss 3,3 Prozentpunkte niedriger. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte am Samstag bei einer G-20-Tagung in Südkorea, Ungarn habe bereits grosse Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen erzielt. Spekulationen über eine drohende Zahlungsunfähigkeit seien übertrieben.

Analysten von Investmentbanken stimmten dem zu. Magdalena Polan von Goldman Sachs schrieb, die Lage Ungarns sei nicht mit der Griechenlands vergleichbar. «Ungarn hat sich der Krise bereits gestellt und den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU Ende 2008 um Hilfe gebeten», schrieb Polan. «In diesem Zusammenhang ist Ungarn Griechenland 18 Monate voraus.»

Goldman Sachs sieht Regierungswechsel als Ursache

Goldman Sachs wies darauf hin, dass Ungarn noch gar nicht alle Mittel aus dem 20 Milliarden Euro schweren Hilfspaket aufgebraucht habe. Es könne seine Schulden damit «problemlos» refinanzieren.

Als Ursache dafür, dass die wirtschaftliche Lage des Landes in düsteren Farben dargestellt wurde, machte Goldman Sachs den gerade erfolgten Regierungswechsel aus. Führende Mitglieder der regierenden Fidesz-Partei hätten vermutlich die Lage schlechtgeredet, weil sie Wählererwartungen bezüglich gegebener Wahlkampfversprechen dämpfen wollten. Nach einer achtjähriger Regierungszeit der Sozialisten gewann die konservative Fidesz-Partei bei der Wahl im April eine Zweidrittelmehrheit.

Ministerpräsident Viktor Orban berief sein Kabinett am Samstag zu einer dreitägigen Klausur ein, um die Haushaltslage zu analysieren. (dapd)

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