Aktualisiert 25.11.2011 17:35

Nur noch Ramschniveau

Ungarns Kreditwürdigkeit herabgestuft

Die Ratingagentur Moody's sieht für Ungarn keine rosige Zukunft. Wegen schlechten Wachstumsaussichten und einer hohen Staatsverschuldung wird das Land um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt.

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschstatus heruntergestuft. Ungarische Staatsanleihen wurden von der Note Baa3 um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt, teilte Moody's am Donnerstag mit. Ungarns Regierung sprach von einem «spekulativen Angriff».

Die hohe Staatsverschuldung und eine grössere Unsicherheit, ob das Land seine Haushaltsziele erreiche, hätten den Schritt notwendig gemacht. Der Ausblick sei weiterhin negativ.

Eine weitere Herabstufung der Bonität werde in Betracht gezogen, da Ungarn kaum Fortschritte bei der Umsetzung seiner Strukturreformen mache. Ungarn könnte seinen Ausblick jedoch stabilisieren, wenn es einen nachhaltigen Konsolidierungsweg einschlagen würde.

Rasche Forint-Entwertung

Die ungarische Regierung bezeichnete die Herabstufung als unbegründet und als «spekulativen Angriff». «Da die Bewertung durch Moody's keine reale Grundlage hat, kann die ungarische Regierung sie nur als Teil eines finanziellen Angriffs interpretieren», hiess es am Freitag in einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums in Budapest.

Die Finanzmärkte vermochten die Beschwichtigungen der ungarischen Regierung nicht zu beruhigen. Die Rendite für zehnjährige ungarische Staatsanleihen stieg bis Freitagmittag um fast einen Prozentpunkt auf 9,9 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit Anfang 2009. Zum Wochenanfang hatte die Rendite noch bei 8,4 Prozent gelegen.

Italien bezahlt Rekordzinsen

Auch Italien kämpft mit hohen Renditen auf seine Anleihen. Der hoch verschuldete Staat konnte sich am Freitag zwar am Kapitalmarkt wie geplant 10 Mrd. Euro leihen. Für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit musste er dafür aber einen durchschnittlichen Zins von 6,5 Prozent zahlen, für eine zweijährige Anleihe sogar einen Zins von 7,8 Prozent.

Höhere Zinssätze wurden seit Einführung des Euro noch nie von Italien gezahlt, teilte die Notenbank am Freitag mit. Im Oktober lagen sie mit 3,5 und 4,6 Prozent noch deutlich tiefer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte unmittelbar vor der Versteigerung versucht, durch den Kauf italienischer Staatsanleihen am Markt die Zinsen zu drücken, sagten Händler.

Schäuble: «Bekämpfung der Ursachen»

Derweil pochten die Finanzminister Deutschlands, Finnlands und der Niederlande zur Eindämmung der europäischen Schuldenkrise auf Sanierungsanstrengungen der betroffenen Länder und strengere Kontrollen der Stabilitätsregeln. «Wir müsse die Probleme lösen durch die Bekämpfung der Ursachen», sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble nach einem Gespräch mit seinen Amtskollegen am Freitag in Berlin.

Dazu seien auch begrenzte Änderungen der EU-Verträge nötig. Bereits vereinbarte Massnahmen etwa zur Verstärkung der Euro- Rettungsschirms EFSF müssten rasch umgesetzt werden.

Die finnische Ministerin Jutta Urpilainen und der niederländische Minister Jan Kees de Jager sprachen sich für eine stärkere Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Krisenbewältigung aus. (sda)

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