Mehr Arbeit, weniger Personal – Ungeimpfte gefeuert – jetzt sind Swiss-Crews körperlich und mental am Limit

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Mehr Arbeit, weniger PersonalUngeimpfte gefeuert – jetzt sind Swiss-Crews körperlich und mental am Limit

Die Sommerferien stehen an und es wird wieder mehr geflogen. Doch das Swiss-Kabinenpersonal läuft auf dem Zahnfleisch – es fehlt an Personal.

von
Fabian Pöschl
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Die Swiss feuert ungeimpfte Angestellte, hat eine Massenentlassung hinter sich und fährt nun den Betrieb für den Sommer wieder hoch.

Die Swiss feuert ungeimpfte Angestellte, hat eine Massenentlassung hinter sich und fährt nun den Betrieb für den Sommer wieder hoch.

AFP
Deshalb fehlt nun das Kabinenpersonal.

Deshalb fehlt nun das Kabinenpersonal.

20min/Community
Wer noch in der Kabine arbeitet, muss deutlich mehr leisten und hat weniger Erholungszeit.

Wer noch in der Kabine arbeitet, muss deutlich mehr leisten und hat weniger Erholungszeit.

AFP

Darum gehts

  • Die Airlines fahren den Betrieb für die Sommerferien hoch.

  • Der Swiss fehlt dazu das Personal, weil sie zahlreiche Angestellte gefeuert hat.

  • Die verbleibende Crew klagt über mehr Druck und wird krank.

Die Swiss kennt bei ihrer Impfpflicht fürs Flugpersonal kein Pardon: Rund 150 Ungeimpfte werden entlassen. Schon vergangenen Sommer gab es bei der Airline eine Massenentlassung von 550 Angestellten.

Nach der Aufhebung der Corona-Massnahmen spürt die Flugbranche Aufwind für die Sommerferien. Doch bei der Swiss führt das zu Chaos an Bord: «Die Swiss versucht, den Flugverkehr aufzubauen, obwohl das Personal fehlt», sagt News-Scout T.* zu 20 Minuten, der als Swiss-Flugbegleiter arbeitet und anonym bleiben möchte.

Swiss spart bei der Crew

Auf den Flügen gebe es wieder mehr Passagiere, gleichzeitig habe die Swiss ein Crew-Mitglied pro Flugzeug auf Langstrecken abgezogen, sagt T. Zudem habe die Airline die Ruhezeit zwischen einigen langen Flügen von 48 Stunden auf 15 Stunden gekürzt.

Das Kabinenpersonal muss darum mehr leisten. Die Mitarbeitenden seien deshalb zunehmend gestresst. «Die Arbeitsbedingungen sind körperlich und mental sehr ungesund: «Wir sind langsam alle am Limit», sagt T.

Etliche Mitarbeitende hätten deswegen schon gekündigt. Weitere werden folgen, ist T. überzeugt. Als die Arbeitsbedingungen noch gut gewesen seien, habe man den tiefen Lohn noch akzeptiert. Dazu seien sie jetzt aber nicht mehr bereit.

Damit vergrössert sich der Personalmangel bei der Swiss. Die schlechten Bedingungen haben Folgen. Die Passagiere würden eine gestresste und unzufriedene Crew erleben. «Das wirkt sich Eins-zu-eins auf den Service aus», sagt T.

«Die Übermüdungs-Rapporte erreichen neue Höchststände»

Bei der Kabinenpersonal-Gewerkschaft Kapers bestätigt Präsidentin Sandrine Nikolic-Fuss auf Anfrage die grosse Belastung für die Angestellten. Zur Massenentlassung kamen Frühpensionierungen, Corona-Absenzen und die Entlassung der Ungeimpften. Deshalb fehlten der Swiss nun Hunderte Angestellte. Weil das Personal wegen des hohen Drucks krank werde, fehlten weitere Mitarbeitende.

«Die Rapporte von Angestellten, die auf Übermüdung hinweisen, erreichen neue Höchststände», so Nikolic-Fuss. Für die Kundschaft habe der Personalmangel der Swiss aber noch keine grossen Auswirkungen. Die Flight Attendants würden alles tun, damit die Kundinnen und Kunden nichts merken.

Swiss wehrt sich

Auch die Swiss bestätigt, dass die Arbeitsbedingungen sehr anspruchsvoll und herausfordernd sind. Die Airline verzeichne mehr Abgänge als angenommen, sagt ein Sprecher. Noch dieses Jahr wolle man deshalb neues Kabinenpersonal im dreistelligen Bereich einstellen.

So werde etwa über die Hälfte der in Zürich und Genf stationierten Crew Member zurückkehren, die in der Entlassungswelle gehen mussten. Die Entlassungen seien unumgänglich gewesen, um zur Kostensenkung beizutragen. Zu den Kosten für die Neueinstellungen will sich die Swiss nicht äussern.

Unfittes Personal kann sich abmelden

Dass bei einigen Langstreckenflügen weniger Personal in der Kabine ist, habe die Swiss gemeinsam mit der Gewerkschaft Kapers vereinbart. Kundenbeschwerden hätten seither nicht zugenommen. Ausserdem liege die Swiss noch über der gesetzlich vorgegebenen Minimum-Crew. Zudem gebe es bei unplanmässigen Reduktionen eine finanzielle Entschädigung für die Angestellten.

Die Swiss halte sich auch an die gesetzlichen Regelungen zur Erholung der Angestellten. Zudem könnte sich das Personal von einem Flugeinsatz abmelden, wenn es sich dafür nicht fit fühle, sagt der Sprecher. Auskunft darüber, ob sich solche Meldungen gehäuft haben, gebe die Swiss nicht.

Swiss schreibt Verluste

Die Swiss ist noch nicht auf dem Niveau vor der Corona-Krise. Sie konnte ihren Verlust im Geschäftsjahr 2021 aber gegenüber 2020 von 653 Millionen Franken auf 427,7 Millionen Franken reduzieren. Möglich war dies laut der Airline dank umfassenden Kostensparmassnahmen.

*Name der Redaktion bekannt.

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