Experten raten zur Impfung – Ungeimpfte sind nach Omikron-Infektion weniger gut geschützt
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Experten raten zur ImpfungUngeimpfte sind nach Omikron-Infektion weniger gut geschützt

Menschen, die weder geimpft noch genesen sind, bilden zwar Antikörper gegen Omikron, jedoch nicht gegen andere Virus-Varianten. Das zeigt eine Studie aus Österreich.

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Wer sich mit Omikron infiziert hat, aber nicht geimpft ist, weist kaum neutralisierende Antikörper gegenüber anderen Sars-CoV-2-Varianten auf. (Im Bild: Massnahmengegnerinnen und Massnahmengegner an einer Coronademo in Olten, 21. August 2021).

Wer sich mit Omikron infiziert hat, aber nicht geimpft ist, weist kaum neutralisierende Antikörper gegenüber anderen Sars-CoV-2-Varianten auf. (Im Bild: Massnahmengegnerinnen und Massnahmengegner an einer Coronademo in Olten, 21. August 2021).

20min/Matthias Spicher
Das ist das Ergebnis einer Laborstudie von Forschenden des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck. 

Das ist das Ergebnis einer Laborstudie von Forschenden des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck. 

Wikimedia Commons/Simon Legner/CC BY-SA 4.0
Die Untersuchung zeigte weiter, dass Geimpfte eine hohe Immunantwort aufweisen. Ebenso jene, die bereits zum zweiten Mal eine Covid-19-Erkrankung durchmachten und zuvor mit einer anderen Variante infiziert waren.

Die Untersuchung zeigte weiter, dass Geimpfte eine hohe Immunantwort aufweisen. Ebenso jene, die bereits zum zweiten Mal eine Covid-19-Erkrankung durchmachten und zuvor mit einer anderen Variante infiziert waren.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Österreichische Forschende haben den Immunstatus von Omikron-Genesenen untersucht.

  • Es zeigte sich, dass Ungeimpfte, die von einer Omikron-Infektion genesen sind, kaum neutralisierende Antikörper gegen andere Varianten aufweisen.

  • Hauptautorin Janine Kimpel empfiehlt dieser Gruppe, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

  • Auch der deutsche Immunologe Carsten Watzl, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, spricht sich dafür aus. 

Eine Labor-Untersuchung des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck hat den Immunstatus nach einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus untersucht. Dabei zeigte sich, dass Omikron-Genesene, die weder bereits von einer anderen Variante genesen noch geimpft waren, kaum neutralisierende Antikörper gegen andere Varianten aufwiesen.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur APA rief Virologin Janine Kimpel deshalb auch diese Gruppe zur Impfung auf: «Der mehrfache Kontakt mit dem Virus schützt», betonte die Hauptautorin der Studie. Wer sich mit der Omikron-Variante infiziert hat, sollte sich auf jeden Fall auch noch impfen lassen, so ihre Empfehlung. Dies lasse sich aus einer kürzlich abgeschlossenen Studie ihres Instituts ableiten. 

Erste Studie dieser Art

Kimpel und ihr Team untersuchten für die Studie, die bisher erst in einer Vorab-Version verfügbar ist, neutralisierende Antikörper im Blut von Genesenen, die mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert waren. Dabei wurde die Immunantwort gegen sechs unterschiedliche Varianten des Coronavirus getestet, konkret der Wildtyp D614G und die bekannten Alpha-, Beta-, Delta-, Gamma- und Omikron-Varianten. Die Studienpopulation wurde je nach Immunstatus in vier Gruppen unterteilt: 15 Teilnehmer waren vor ihrer Omikron-Infektion geimpft, 13 ungeimpft und von einer Vor-Omikron-Variante genesen, zehn sowohl geimpft als auch bereits genesen und 15 weder genesen noch geimpft.

Es sei die erste Studie, die diese unterschiedlichen Gruppen im Zusammenhang mit der Omikron-Variante dezidiert berücksichtige, so die Innsbrucker Virologin.

Bei früheren Varianten anders

Auch Forschende aus den USA haben sich in einer Studie mit den Antikörpern von Genesenen beschäftigt. Ihre Proben stammten jedoch anders als in der Untersuchung aus Österreich aus der Zeit vor Omikron. Dem Team um Martin A. Makary von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) zufolge hatten ungeimpfte Genesene auch nach 20 Monaten noch Antikörper gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 im Blut. Zumindest von einer Teilimmunität sei dann noch auszugehen. 

Makary und seine Kolleginnen und Kollegen hatten die allesamt ungeimpften Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe eins war definitiv schon mal infiziert. Gruppe zwei hielt eine eigene frühere Infektion für wahrscheinlich, wurde aber nie positiv getestet. Gruppe drei war sich sicher, nie infiziert gewesen zu sein. Der Vergleich nach 20 Monaten zeigte einen deutlichen Unterschied hinsichtlich der Immunantwort: In Gruppe eins wurden bei 99 Prozent der Probanden Antikörper nachgewiesen, in Gruppe zwei bei 55 Prozent und in Gruppe drei bei elf Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Geimpfte Genesene haben besten Schutz

Fünf bis 35 Tage nach ihrem ersten positiven PCR-Test wurde den Probanden eine Blutprobe entnommen. Die Seren wurden dann mit dem Virus der jeweiligen sechs Varianten gemischt. Denn «falls neutralisierende Antikörper gebildet wurden, binden sie an das Virus», erläuterte Kimpel. Um zu testen, ob dies der Fall war, wurden die mit dem Virus gemischten Seren im Anschluss mit Zellen in Verbindung gebracht. Wenn sich jene mit dem Coronavirus infizierten, hiess das, dass keine neutralisierenden Antikörper gegen die jeweilige Variante vorliegen.

Wie die Forschenden auf dem Preprint-Server Medrxiv.org schreiben, zeigten die Geimpften eine hohe Immunantwort. Ebenso jene, die bereits zum zweiten Mal eine Covid-19-Erkrankung durchmachten und zuvor mit einer anderen Variante infiziert waren. Jene Probanden hingegen, die weder genesen noch geimpft waren, hatten hauptsächlich neutralisierende Antikörper gegen die Omikron-Variante gebildet und nur vereinzelt welche gegen andere Varianten.

«Weitere Impfung notwendig!»

«Das ist nicht verwunderlich», kommentierte die Virologin. Man wisse, dass die Impfung nicht auf die Omikron-, sondern Vorgänger-Varianten abzielt. Bereits durchgeführte Studien hatten zudem gezeigt, dass Ungeimpfte, die mit der Alpha- oder Delta-Variante infiziert waren, nur unzureichend gegen die Omikron-Variante geschützt sind. Zudem war aufgrund der bisherigen Studienlage bereits bekannt, dass der Impfschutz innerhalb weniger Monate signifikant zurückgeht, die Immunantwort aber besser ist, wenn man genesen und zusätzlich geimpft oder gar geboostert ist.

Kimpel erinnerte daran, dass die Boosterimpfung ausserdem vor schweren Verläufen schützt. «Man sollte trotz der hohen Inzidenzen und vielen Infektionen mit der Omikron-Variante schon alles darauf setzen, eine hohe Impfquote zu erreichen», resümierte die Virologin. 

Auch wenn die Studie noch nicht von Fachkolleginnen und Fachkollegen überprüft worden ist, hält der deutsche Immunologe Carsten Watzl die Studienergebnisse für haltbar. Der Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie postete sie auf Twitter und sprach sich für das Impfen aus: 

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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