Riskante Praxis - Ungeimpfte trinken Corona-Spucke, um Covid-Zertifikat zu erhalten
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Riskante PraxisUngeimpfte trinken Corona-Spucke, um Covid-Zertifikat zu erhalten

Um eine Impfung zu umgehen und ein Genesenen-Zertifikat zu bekommen, trinken Ungeimpfte die Spucke von infizierten Menschen. Eklig – und auch illegal.

von
Florian Osterwalder
Karin Leuthold
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 Seit Einführung von 2G tritt das Phänomen immer häufiger auf: Um der Impfung zu entgehen, lassen sich gesunde Skeptiker und Skeptikerinnen absichtlich mit dem Coronavirus infizieren.

Seit Einführung von 2G tritt das Phänomen immer häufiger auf: Um der Impfung zu entgehen, lassen sich gesunde Skeptiker und Skeptikerinnen absichtlich mit dem Coronavirus infizieren.

20min/Celia Nogler
Sie hoffen damit, ein Covid-Zertifikat als Genesene zu erhalten.

Sie hoffen damit, ein Covid-Zertifikat als Genesene zu erhalten.

20min/Marco Zangger
Einige trinken die Spucke eines Kranken, andere stecken sich das benutzte Wattestäbchen eines Infizierten in die Nase.

Einige trinken die Spucke eines Kranken, andere stecken sich das benutzte Wattestäbchen eines Infizierten in die Nase.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Immer wieder lassen sich Ungeimpfte mit Covid-19 infizieren, um an ein Genesenen-Zertifikat zu kommen.

  • Ein Infektiologe der Uni Zürich warnt, dass der Plan für einige durchaus böse Folgen haben könnte.

  • Auch aus rechtlicher Sicht ist der Fall klar: Die Praxis ist illegal.

Durch die strengeren Massnahmen, welche der Bundesrat erlassen hat, ist es zurzeit für Ungeimpfte nicht mehr möglich, komplett am öffentlichen Leben teilzunehmen. Sportstätten, Restaurants und Kulturveranstaltungen fordern ein Zertifikat, es gilt fast überall die 2G-Regel. Für viele, die sich nicht impfen lassen wollen, ist es daher eine Option, sich absichtlich mit dem Coronavirus anzustecken, um an ein Zertifikat zu kommen.

Einer von ihnen ist Edgar, 21 Jahre alt und Medizin-Student. Im September hat er sich mit Hilfe eines Bekannten selbst infiziert. Gegenüber dem «SRF» sagte er: «Eine positiv getestete Person spuckte für mich in ein Glas. Ich verdünnte die Spucke mit Wasser und trank den kompletten Inhalt. Aus tiefstem Herzen hoffte ich, dass ich Corona bekommen würde. Fünf Tage später erhielt ich dann prompt einen positiven Test.»

Auch Junge können schwere Krankheitsverläufe haben

Viele Impfgegner und Impfgegnerinnen vernetzen sich via Social Media mit Corona-Infizierten. Einer erklärt, wie es dann weitergeht: «Fünf Drehungen eines Wattestäbchens in der Nase des Kranken, dann direkt fünf weitere in deinen Nasenlöchern und die Sache ist in eineinhalb Tagen erledigt. Wir sind Dutzende, die das in den letzten drei Wochen so gemacht haben.»

Infektiologe Jan Fehr vom Universitätsspital Zürich schüttelt den Kopf, denn der Plan könnte für einige durchaus böse Folgen haben. Einerseits, weil man nicht wisse, wie ein Krankheitsverlauf sein wird. Dabei legt Fehr noch einmal klar, dass auch junge Leute einen schweren Verlauf haben können. «Zum anderen ist auch an Long Covid zu denken», sagt der Infektiologe zur «SRF».

Bei absichtlicher Ansteckung droht Haft

Eine absichtliche Ansteckung mit dem Coronavirus ist ausserdem eine Straftat: Die Übertragung der Krankheit unter Menschen wird in der Schweiz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.

«Es geht um den Schutz der öffentlichen Gesundheit. Es handelt sich um ein kollektives Rechtsinteresse, über das man nicht individuell verfügen kann», erklärt Yvan Jeanneret, Professor für Strafrecht an der Universität Genf.

Das Phänomen ist nicht ganz neu. Offenbar lassen sich aufgrund der 2G-Regel vermehrt Gesunde mit Covid-19 infizieren, um an ein Genesenen-Zertifikat zu kommen. In einigen Ländern werden sogar regelrechte Corona-Partys gefeiert, bei denen Gesunde mit voller Absicht auf Erkrankte treffen. Natürlich hoffen die frisch Infizierten auf einen milden Verlauf der Krankheit.

Dies ist allerdings nicht immer der Fall. So berichtet eine Ärztin aus dem besonders stark betroffenen Bezirk Liezen in der Steiermark von einem Fall, bei der ein 55 Jahre alter Mann aus dem Ennstal nach der Ansteckung schwer erkrankte und schliesslich an den Folgen starb. Zudem sollen vier junge Männer unter 30 nun an den Folgen von Long Covid leiden.

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