Büsser-Tweet und wütendes Pflegepersonal - Ungeimpfte werden in vierter Corona-Welle immer stärker angefeindet
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Büsser-Tweet und wütendes PflegepersonalUngeimpfte werden in vierter Corona-Welle immer stärker angefeindet

Die Impf-Diskussion wird in der vierten Welle immer gehässiger. «Aussagen wie die von Stefan Büsser sind kontraproduktiv», sagt eine Soziologin.

von
Noah Knüsel
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Ungeimpfte und Geimpfte stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. So schrieb etwa der Moderator und Comedian Stefan Büsser, er habe kein Mitleid mit freiwillig Ungeimpften auf Intensivstationen. Auf Twitter wird er dafür hart kritisiert - viele unterstützen ihn aber auch.

Ungeimpfte und Geimpfte stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. So schrieb etwa der Moderator und Comedian Stefan Büsser, er habe kein Mitleid mit freiwillig Ungeimpften auf Intensivstationen. Auf Twitter wird er dafür hart kritisiert - viele unterstützen ihn aber auch.

Instagram/stefanbuesser
«Büsser spricht mir und vielen aus meinem Team aus der Seele», sagt eine Pflegefachfrau. Beim Pflegepersonal sei die Luft draussen: «Langsam kommt auch Wut auf, weil wir die vierte Welle eigentlich hätten verhindern können.»

«Büsser spricht mir und vielen aus meinem Team aus der Seele», sagt eine Pflegefachfrau. Beim Pflegepersonal sei die Luft draussen: «Langsam kommt auch Wut auf, weil wir die vierte Welle eigentlich hätten verhindern können.»

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Die junge Frau arbeitet im Kanton Zürich auf einer Notfallstation. Sie sagt, es falle ihr immer schwerer, Mitleid für ungeimpfte Coronapatienten aufzubringen. (Symbolbild)

Die junge Frau arbeitet im Kanton Zürich auf einer Notfallstation. Sie sagt, es falle ihr immer schwerer, Mitleid für ungeimpfte Coronapatienten aufzubringen. (Symbolbild)

20min/Simon Glauser

Darum gehts:

  • In der vierten Corona-Welle vertieft sich der Graben zwischen Geimpften und Ungeimpften.

  • «Es fällt mir schwer, Mitleid für ungeimpfte Corona-Infizierte zu haben», sagt etwa eine Pflegerin.

  • Die Wut der Geimpften sei nachvollziehbar, sagt eine Soziologin. Aber Aussagen wie die von Stefan Büsser seien kontraproduktiv.

Im Moment landen fast nur noch Ungeimpfte wegen Corona auf der Intensivstation. Der Ton gegenüber ihnen verschärft sich zusehends. So schrieb etwa der Moderator und Comedian Stefan Büsser, er habe kein Mitleid mit freiwillig Ungeimpften auf Intensivstationen.

Auf Twitter wird er dafür hart kritisiert - viele unterstützen ihn aber auch: In einer 20-Minuten-Umfrage ist die Mehrheit der Teilnehmenden Büssers Meinung. Auch eine Leserin, die im Pflegebereich arbeitet, sagt: «Ich bin mit ihm völlig einverstanden.»

«Immer schwieriger, Mitleid zu haben»

Die junge Frau arbeitet in einem grossen Zürcher Spital auf der Notfallstation. «Büsser spricht mir und vielen aus meinem Team aus der Seele», sagt sie. Beim Pflegepersonal sei die Luft draussen: «Langsam kommt auch Wut auf, weil wir die vierte Welle eigentlich hätten verhindern können.»

Der Frust breche manchmal aus ihr heraus, wie die Pflegerin sagt: «Ungeimpften mit Covid-Symptomen sagen wir: ‹Ihr seid selber schuld, dass ihr jetzt hier seid.›» Es falle ihr immer schwerer, Mitleid für diese Personen aufzubringen. Das sei extrem schade, denn in ihrem Beruf wolle man eigentlich alle Menschen gleich behandeln und ihnen Empathie entgegenbringen.

Gesellschaftlicher Graben

Soziologin Katja Rost beobachtet, dass der Ton zwischen Geimpften und Ungeimpften immer gehässiger wird. «Die Wut der Geimpften ist nachvollziehbar», sagt sie. «Deren Sicht ist: ‹Ich habe mit der Impfung etwas für die Gesellschaft getan, bekomme aber von den Ungeimpften nichts zurück.›»

Für Rost ist aber auch klar: «Aussagen wie die von Stefan Büsser sind kontraproduktiv.» So werde die gesellschaftliche Spaltung vorangetrieben. Schliesslich seien nicht alle Ungeimpften kategorische Impfgegner, so die Soziologin. Es gebe etwa auch viele, die einfach noch unentschlossen seien.

«Andere Meinungen akzeptieren»

Gesellschaftliche Solidarität höre nicht bei Ungeimpften auf, sagt Rost: «In unserem System ist es eine Frage der Ethik, dass wir niemanden sterben lassen wollen - egal, ob er oder sie sich selbstverschuldet in eine schlimme Situation gebracht hat.»

Man müsse andere Meinungen akzeptieren können, sagt die Soziologin. Die Positionen von Teilen der Geimpften und Ungeimpften seien sehr verhärtet: «Es ist aber klar, dass man nicht alle überzeugen kann.» Für sie ist wichtig, dass die Politik nun mit Fingerspitzengefühl handelt. Denn: «Zu viel Impfdruck kann auch eine Trotzreaktion auslösen.» Ein Impfobligatorium dürfe es auf keinen Fall geben.

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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