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Ungereimtheiten in Grass' SS-Vergangenheit

Die von Günter Grass jetzt freigegebenen Wehrmachtsakten widersprechen den Angaben des Schriftstellers in seiner Biografie «Beim Häuten der Zwiebel».

Wie «Spiegel Online» berichtet, ist in dem Dokument vermerkt, dass er erst am 10. November 1944 Soldat der Waffen-SS geworden sei und nicht, wie von ihm angegeben, bereits im September 1944. In dem Buch schreibt Grass, er habe seinen 17. Geburtstag am 16. Oktober 1944 während der Ausbildung gefeiert.

Bei dem Dokument handelt es sich um das so genannte Hauptkrankenbuch des Reservelazaretts Marienbad. Das Datum 10. November 1944 ist auch in der «vorläufige Erklärung des Kriegsgefangenen» Grass vermerkt, das er Anfang 1946 nach seiner Gefangennahme durch die US-Army in Marienbad unterschrieben und in dem er sich zur Waffen-SS-Mitgliedschaft bekannt hatte.

Der Hinweis auf die Waffen-SS fehlt laut «Spiegel» bei dem Eintrag im Krankenbuch. Als Dienstgrad sei Schütze verzeichnet, obwohl dort nach Angaben des Experten Heinz Höhne ein Hinweis auf die Waffen-SS hätte stehen müssen. In seinem Buch berichtet Grass, er habe sich im Chaos hinter der Front eine Uniform der Wehrmacht und neue Papiere verschafft, weil er fürchtete, als Soldat der Waffen-SS bei einer Gefangennahme getötet zu werden. Er könne nicht erklären, wie der Eintrag zu Stande gekommen sei, liess der 79-Jährige dem «Spiegel» ausrichten.

Das neue Dokument bestätigt dem Vorabbericht zufolge jedoch die Erinnerung des Schriftstellers an das Datum seiner Verwundung: «Es war wirklich am 20. April 1945.» Das war Hitlers letzter Geburtstag. Am 28. April 1945 wurde Grass in das Reservelazarett Marienbad eingeliefert. Am 13. Mai, fünf Tage nach der Kapitulation, sei er verlegt worden, nach eigenen Angaben in ein Kriegsgefangenenlager in der Oberpfalz. Der «Spiegel» schreibt, dabei handele es sich offenkundig um das Lager Auerbach, eines der grössten Camps für gefangene SS-Leute. (dapd)

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