Kritik gegen Stadt Zürich : «Ungesunde Bevormundung» – behördlicher Znüni-Tipp wird zum Aufreger
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Kritik gegen Stadt Zürich «Ungesunde Bevormundung» – behördlicher Znüni-Tipp wird zum Aufreger

Anstatt Kuchen sollen Geburtstagskinder gesunde Vollkorn-Sandwiches zum Znüni mitbringen. Dies raten die Zürcher Behörden den einheimischen Eltern. In dem Magazin «Fleisch und Feinkost» hagelt es für diesen Ratschlag jetzt heftige Kritik.

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Anstatt einem süssen Geburi-Znüni für die Schulpause…

Anstatt einem süssen Geburi-Znüni für die Schulpause…

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…empfiehlt die Stadt Zürich gesündere Alternativen. So etwa süsse Früchte, Popcorn, Vollkorn-Sandwiches oder Brezen.

…empfiehlt die Stadt Zürich gesündere Alternativen. So etwa süsse Früchte, Popcorn, Vollkorn-Sandwiches oder Brezen.

Auch für den Alltags-Znüni hat die Stadtbehörde Tipps: Am besten eigne sich eine Frucht oder ein Gemüse, dazu ein ungesüsstes Getränk.

Auch für den Alltags-Znüni hat die Stadtbehörde Tipps: Am besten eigne sich eine Frucht oder ein Gemüse, dazu ein ungesüsstes Getränk.

Ein gesunder Znüni mache das Schulkind fit und leistungsfähig bis zur Mittagspause hin. Dies teilt die Stadt Zürich den Eltern mittels aufwendig kreiertem Flyer und via Homepage seit längerem mit. Eine Frucht, ein ungesüsstes Getränk, nach Belieben auch noch etwas Vollkornbrot oder ein Jogurt bringen den Sprössling laut dem städtischen Schul- und Sportdepartement gesund und munter durch die Schulstunden.

Auch am Geburtstag des Kindes sollen die Eltern eine gesunde Ernährung nicht ausser Acht lassen. Denn: «Kindergeburtstage werden meist von Süssigkeiten begleitet. Für die Schule und den Hort heisst das, dass pro Woche oft mehrere Geburtstage gefeiert werden. Dadurch werden Weggli & Schoggistängeli und Kuchen zum Alltags-Znüni.» Laut dem bereitgestellten Infoblatt werden jedoch süsse Früchte, Vollkorn-Sandwiches, Rosinenbrötchen oder Popcorn einer zuckrigen Geburtstags-Überraschung vorgezogen.

Znüni-Tipps: Eine Bevormundung?

Den Autoren von «Fleisch und Feinkost», der Zeitung des Schweizer Fleisch-Verbandes, stossen diese Zürcher Empfehlungen jetzt sauer auf: In ihrer Kolumne «Knochen des Monats» gibt es in der neusten Ausgabe Rüge für die Stadtbehörde. Denn: Wenn das Kind anstatt eines «feinen Schokoladenkuchens mit dicker Glasur und Smarties» einen «Korb mit Vollkornsandwiches» in die Schule bringen müsse, sei dies eher kontraproduktiv. Dies habe nämlich nur eines zur Folge: Enttäuschte Kinder, deren Geburtstage von gesundem Essen verdorben worden seien. Die Znüni-Tipps seien eine «Bevormundung», welche «eindeutig ungesund» sei.

Der Bund als Grillchef

Nicht nur in der Stadt Zürich, auch schweizweit interessieren sich die Behörden vermehrt um die Teller der Schweizer: «Die Ernährung der Bevölkerung ist unausgewogen», steht so auf der Seite des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Insbesondere im Bezug auf den Fleischkonsum gebe es einiges zu tun: «Für Fleisch im Speziellen liegt die wöchentliche Empfehlung bei zwei bis drei Portionen à 100 bis 120 Gramm. Der Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten wie Würsten oder Aufschnitt sollte auf einmal pro Woche beschränkt sein», lautet deswegen die staatliche Empfehlung. (Zu den Ernährungs-Empfehlungen des Bundes)

Wie die neusten Zahlen der Branchenorganisation Proviande zeigen, wird schweizweit aber gar mehr als das Dreifache der empfohlenen Menge konsumiert: Im vergangenen Jahr wurden 438’000 Tonnen Fleisch verkauft – rund 1,5 Prozent mehr als noch im 2019. In den Privathaushalten ist der Fleischkonsum gar um 11 Prozent gestiegen.

Gemäss der kürzlich publizierten, langfristigen Klimastrategie des Bundes soll es nun aber laufend zu einer Reduktion – einer «Anpassung der Konsum- und Produktionsmuster» kommen –, wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt. Demnach soll sich in zehn Jahren bereits ein Drittel der Bevölkerung an die Empfehlungen des Bundes halten; spätestens im Jahr 2050 sollen dies dann alle tun. Somit könnten die negativen Umweltwirkungen «mehr als halbiert werden».

(miw)

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689 Kommentare
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Bildung wäre angesagt

22.02.2021, 23:07

Wenn man Leute will, die sich gesund ernähren, dann müsste man in die Bildung investieren. Zürich tadelt und reguliert lieber, als dass es bildet. Die verantwortlichen politischen Gremien sind RotGrün.

68-er Sponti

22.02.2021, 20:36

Wer zweimal mit derselben pennt, gehört bereits zum Establishment. Ist beim Essen ähnlich.

EX-Beizer

22.02.2021, 20:13

Das ist fast ein Skandal: In den Privathaushalten steigt der Fleischkonsum um 11 %. In den Beizen sank er aber auf 0 %. Merkt Ihr etwas?