Aktualisiert 23.11.2019 05:46

Schlimme Verletzungen

Ungeübte Touris stürzen mit E-Mountainbikes

Die Anzahl Unfälle beim Mountainbiking steigt, trotzdem hält der Bike-Boom an. Vor allem Downhill-Fahrer und E-Biker verunfallen schwer.

von
Ilona Himmelberger
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Die Anzahl Unfälle beim Mountainbiking steigt, trotzdem hält der Bike-Boom an. Vor allem Downhill-Fahrer und E-Biker verunfallen schwer.

Die Anzahl Unfälle beim Mountainbiking steigt, trotzdem hält der Bike-Boom an. Vor allem Downhill-Fahrer und E-Biker verunfallen schwer.

Keystone/Gian Ehrenzeller
«Natur, Berge und viel Flow»: So wirbt etwa Graubünden Tourismus für seine Bike-Trails. Und in Arosa gibt es gar kostenlose E-Mountainbike-Kurse am Samstagmorgen.

«Natur, Berge und viel Flow»: So wirbt etwa Graubünden Tourismus für seine Bike-Trails. Und in Arosa gibt es gar kostenlose E-Mountainbike-Kurse am Samstagmorgen.

Privat: Thalia Wünsche (Graubünden Ferien)
Für viele endet der Spass beim Mountainbiken aber zunehmend aber im Spital: Laut der aktuellen Unfallstatistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gab es im Jahr 2005 in der Schweiz 6680 Unfälle mit Verletzten, waren es 2016 fast schon 10000.

Für viele endet der Spass beim Mountainbiken aber zunehmend aber im Spital: Laut der aktuellen Unfallstatistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gab es im Jahr 2005 in der Schweiz 6680 Unfälle mit Verletzten, waren es 2016 fast schon 10000.

Keystone/Martin Platter

«Natur, Berge und viel Flow»: So wirbt etwa Graubünden Tourismus für seine Bike-Trails. Im Wallis lockt die «Region Du Midi» mit 600 Kilometer markierten Strecken, die «mit Muskelkraft oder auf dem E-Bike entdeckt werden wollen.» Und in Arosa gibt es gar kostenlose E-Mountainbike-Kurse am Samstagmorgen.

Mehr Mountainbike-Verletzte

Für viele endet der Spass beim Mountainbiken aber zunehmend aber im Spital: Laut der aktuellen Unfallstatistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gab es im Jahr 2005 in der Schweiz 6680 Unfälle mit Verletzten, 2016 waren es fast schon 10'000.

Ein ähnliches Bild zeigen die Zahlen der Suva. Auf Anfrage bestätigt Suva-Mediensprecherin Simone Isermann einen Anstieg an Mountainbike-Unfällen in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent. Dazu habe auch das schöne Wetter in den Jahren 2017 und 2018 beigetragen.

Meist passieren Unfälle auf Trails

Im Extremfall ergeht es ihnen wie Sarah Hundert. Sie stürzte beim Downhillfahren und ist nun querschnittsgelähmt. Beim Sturz habe sie den Lenker nicht losgelassen und schlug kopfüber auf dem Boden auf. Sofort sei ihr klar gewesen, dass alles anders werden würde. «Zuvor machte ich mir über solch drastische Folgen keine Gedanken. Aber das sollte man auch nicht, es kann auch im Alltag auf der Strasse passieren.»

Marc Kipfer, Mediensprecher der BFU, sagt, dass die Anzahl Verletzungen schon länger tendenziell zunimmt, obwohl die Anzahl Mountainbiker bis vor zwei Jahren praktisch gleichgeblieben ist. Dabei würden die meisten Unfälle auf den sogenannten Biketrails passieren, also auf für Bikes befahrbaren Routen und Wegen.

«E-Biker haben schwerere Unfälle»

«Es sind zunehmend E-Mountainbike-Fahrer, die schwerere Unfälle erleiden», sagt Daniel Schaffhauser vom Verein Bikefalke. Zum einen würden sich damit mehr Freizeitsportler auf Trails wagen, die solche Fahrten mit einem «normalen» Mountainbike nicht machen würden, also fahrtechnisch eher unerfahren seien.

Weiter sei das E-Mountainbike schneller und rund zehn Kilogramm schwerer als ein herkömmliches Mountainbike und man sei damit weniger agil. «Durch diese Kombination werden sich mehr und heftigere Unfälle ereignen», ist er überzeugt.

Grosse Spannbreite an Verletzungen

Die direkten Folgen dieses Trends spürt Christoph Sommer, Chefarzt der Unfallchirurgie Kantonsspital Graubünden: «In den letzten Jahren behandelten wir jährlich 10–20 Prozent mehr Mountainbiker.» Die Arten an Verletzungen sind dabei sehr unterschiedlich. Sie reichen von Prellungen und Schürfungen über Hand- und Schlüsselbeinbrüche bis hin zu schweren Schädel-Hirn- oder Querschnittsverletzungen oder gar Rippenbrüchen mit Lungenrissen. «Todesfälle gibt es auch, aber sehr selten.»

Von den Bikern, die bei Sommer landen, müssen viele hospitalisiert und operiert werden. «Deshalb gehört Mountainbiken sicher zu den Sportarten mit eher schwereren Verletzungen.» Vor allem das Downhill-Biken, kann ihm zufolge aufgrund der hohen Geschwindigkeit zu gravierenden Verletzungen führen. Dazu trage auch die unebene Bodenbeschaffenheit im Gelände bei, auf dem die Biker beim Sturz aufprallen.

Sportgebiete setzen vermehrt auf Sicherheit

Die Betreiber von Bike-Angeboten betonen, sie investierten viel in Sicherheit. So sagt Marc Schlüssel, Marketingleiter der Ferienregion Lenzerheide, dass Biken zwar eine Sportart sei, die wie andere auch ein gewisses Risiko beinhalte. Jeder Biker müsse sich dieser Gefahr bewusst sein und lernen, damit umzugehen. «Deshalb legen wir jedem Anfänger ans Herz, einen Bikekurs zu besuchen.»

Nebst dem Angebot solcher Kurse durch Bikeschulen vor Ort schaut man laut Schlüssel auch täglich darauf, dass die Trails in Ordnung seien und regelmässig gewartet werden. «Wir verschliessen uns dem Thema Sicherheit nicht.» Und Lenzerheide investiere 1,8 Millionen Franken in neue Wegabschnitte, um Biker und Wanderer besser voneinander zu trennen und so für mehr Sicherheit zu sorgen. Denn, so Schlüssel: «Es werden in Zukunft noch mehr Biker in die Berge kommen.»

Beim Aufrüsten in den Bergen, um noch mehr Velofahrer – auch bisher wenig geübte – in die Berge zu locken, ist indes kein Ende absehbar. Nächste Woche findet in Davos ein Mountainbike-Kongress statt. Die Referate und Diskussionen befassen sich mit dem «Aufbau der Mountainbike-Region Wallis» oder gehen der Frage nach, welche Chancen der «Mountainbike-Boom» für Tourismusdestinationen biete. «Momentan herrscht Goldgräberstimmung», erklärt ein Vertreter von Pro Natura in der Broschüre.

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