Aktualisiert 14.07.2009 13:26

Nach sieben Monaten«Unglaublich schön wieder hier zu sein»

Nach fast sechsmonatiger Geiselhaft in Afrika ist der 57-jährige Werner Greiner in die Schweiz zurückgekehrt. Mit gedämpfter Stimme sprach er an einer Medienkonferenz zum ersten Mal zur Öffentlichkeit: Er sei extrem müde, aber auch extrem glücklich. Bundesrätin Calmy-Rey bekräftigte derweil, die Schweiz habe kein Lösegeld gezahlt.

Der Anwalt Greiner landete an Bord einer Air-France-Maschine von Paris her kommend um 11.30 Uhr auf dem Flughafen Zürich. Man könne sich nicht richtig vorstellen, was er erlebt habe, sagte er. Am vergangenen Sonntagnachmittag sei er frei gekommen. Ein Mann sei zu ihm gekommen und habe gesagt: «Je vous informe que vous êtes libre.» Sechs Monate habe er auf diesen Zeitpunkt gewartet. Mitten in der Sahara sei es extrem schwierig gewesen.

«Jetzt bin ich hier zurück und sehr glücklich, dass ich wieder bei meiner Frau, meiner Familie und meinen Freunden sein kann.» Er habe diesen Zeitpunkt während den sechs Monaten Geiselhaft ersehnt. Der Anwalt richtete seinen Dank an alle, die für seine Freilassung gearbeitet haben. Er sei überwältigt, was für eine Arbeit geleistet worden sei und es sei «unglaublich schön, wieder hier zu sein».

«Warten ist wie Geiselhaft»

Seine Frau Gabriella Barco Greiner sagte, das Warten sei genau so grausam gewesen wie die Zeit in Geiselhaft. Sie selbst war im April von den Entführern freigelassen worden. Sie habe grosse Hoffnung, dass sie die Zukunft zusammen bewältigen und sie zeigte sich zuversichtlich, dass sie zusammen diesen Albtraum auch psychisch voll bewältigen können.

Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten war Greiner bereits am Montagabend mit einem Nachtflug vom malischen Bamako nach Paris geflogen worden, wo ihn seine Ehefrau traf. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey habe sich bereits in Paris befunden und sich entschlossen, zusammen mit dem Ehepaar in die Schweiz zu reisen. Die Aussenministerin bekräftigte in Zürich, dass die Schweiz «nie Lösegeld zahlt».

Am Sonntag freigelassen

Der Schweizer aus dem zürcherischen Adliswil war am vergangenen Sonntag in Mali als letzte von vier Geiseln aus einer Reisegruppe freigelassen worden. Der malische Präsident Amadou Toumani Toure hatte die Schweiz gleichentags darüber informiert und die Geisel später persönlich in der Hauptstadt Bamako empfangen. Die näheren Umstände der Freilassung waren zunächst nicht bekannt. Der Schweizer Botschafter Markus Börlin hatte am Sonntag gesagt, die Schweiz habe weder mit den Entführern verhandelt noch ein Lösegeld gezahlt.

Der Schweizer war zusammen mit seiner Frau, einer Deutschen und einem Briten am vergangenen 22. Januar im Grenzgebiet zwischen Mali und dem Niger verschleppt worden. Sie hatten der Gruppe eines deutschen Reiseveranstalters angehört. Die Schweizerin und die 77-jährige Deutsche waren im April mit zwei früher entführten kanadischen UN-Mitarbeitern freigelassen worden. Anfang Juni war im Internet im Namen von Al Kaida die Nachricht verbreitet worden, dass der verschleppte Brite in Nord-Mali hingerichtet worden sei. (sda/dapd)

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