Ackermann giftelt: «Unglaublich und ehrverletzend»
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Ackermann giftelt«Unglaublich und ehrverletzend»

Der Schweizer Top-Banker Josef Ackermann beschwert sich öffentlich über die Razzia in seinem Büro. Derweil wird nun auch innerhalb der Deutschen Bank Kritik an ihm laut.

von
egg
Fühlt sich von den deutschen Ermittlern ungerecht behandelt: Josef «Jo» Ackermann.

Fühlt sich von den deutschen Ermittlern ungerecht behandelt: Josef «Jo» Ackermann.

«Ich glaube, wenn ich dann mal in der Schweiz bin, werde ich zu solchen Dingen noch Stellung beziehen.» Mit diesen Worten hat der Noch-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, die Durchsuchungen seines Büros von letzter Woche öffentlich kritisiert. Dem Schweizer werden Falschaussagen im Kirch-Prozess vorgeworfen. Ermittler der Staatsanwaltschaft hatten die Büros der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht, und damit viel Aufsehen erregt.

«Das ist unglaublich, das ist ehrverletzend», sagte Ackermann weiter, als er an einem Führungstreffen der «Süddeutschen Zeitung» auf die Hausdurchsuchungen angesprochen wurde. Auch für seine Mitarbeiter sei es eine unangenehme Situation gewesen. Die Tonalität der Ermittler sei «schlichtweg unakzeptabel» gewesen. Er habe gar kein Verständnis für dieses Vorgehen, vor allem, weil es um «so wenig» wie die «Interpretation eines Satzes im Protokoll» gehe. «Wir waren sechs Vorstände, die ausgesagt haben. Und wir haben uns alle in die gleiche Richtung erinnert. Da zu unterstellen, dass wir lügen, ist schon ein hartes Stück», ergänzte er.

Josef Ackermann wird versuchter Prozessbetrug vorgeworfen: Der inzwischen verstorbene deutsche Medienmogul Leo Kirch, dem einst TV-Sender wie Sat1 und ProSieben gehörten, machte die Deutsche Bank, und insbesondere Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer, für den Niedergang seines Medienimperiums verantwortlich. Er forderte Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Andere kratzen an seinem Image

Während Ackermann überzeugt ist, dass die Affäre kein gutes Bild abgebe für die Ermittler, und diese viel Sympathie verspielt hätten, steht es aber um sein eigenes Image nicht besonders gut. Wie das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner neusten Ausgabe schreibt, galt Ackermann mit seiner Absicht innerhalb der Bank schon länger als «abgehoben».

Ursprünglich wollte der Schweizer im nächsten Jahr an die Spitze des Verwaltungsrates der Deutschen Bank wechseln. Doch daraus wird nichts. Ebenfalls Anfang letzter Woche musste Ackermann seinen Verzicht auf den Aufsichtsratsvorsitz des Finanzkonzerns bekannt gegeben. Sowohl Grossaktionäre der Bank als auch die bankeigene Fondsgesellschaft DWS wehrten sich zunehmend gegen Ackermanns geplanten Wechsel. Unter anderem widersprechen die Regeln der Corporate Governance, der guten Unternehmensführung, diesem Vorgehen.

Veränderung und Demokratisierung

Die Ära Ackermann hinterlässt bei der grössten deutschen Bank aber auch zunehmend einen Schatten. Seine potenziellen Nachfolger an der Spitze seien sich uneins, es werde auf einen Machtkampf hinauslaufen, urteilt der «Spiegel». Ausgerechnet in einer Zeit, da die Branche eine existenzielle Krise durchlebe, gebe die Bank ein Bild innerer Zerrissenheit ab. Das sei nicht zuletzt das zweifelhafte Verdienst von Ackermann. Die Erfolge der Bank und die Dominanz Ackermanns hätten viele Konflikte kaschiert. Hinter vorgehaltener Hand wünscht man sich deshalb bei der Deutschen Bank jetzt «Veränderung und Demokratisierung», wie ein Insider sagt.

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