Aktualisiert 13.09.2018 13:08

Vitznau LU

«Unglaublich, was alles auf dem Seegrund liegt»

Flaschen, Pneus, Plastik und Altmetall: Knapp 1,2 Tonnen Müll haben Abfalltaucher im Vierwaldstättersee gesammelt. Und es hat noch viel mehr davon auf dem Seegrund.

von
gwa
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Idyllisch: Die Gemeinde Vitznau am Vierwaldstättersee.

Idyllisch: Die Gemeinde Vitznau am Vierwaldstättersee.

Wikipedia/Ikiwaner
Neben der Schiffstation haben Abfalltaucher vor kurzem eine Cleanup-Aktion durchgeführt. Unter Wasser sieht es jedoch weniger gut aus.

Neben der Schiffstation haben Abfalltaucher vor kurzem eine Cleanup-Aktion durchgeführt. Unter Wasser sieht es jedoch weniger gut aus.

Wikipedia/Roland Zumbuehl
Viel Abfall ist dort zu finden.

Viel Abfall ist dort zu finden.

Abfalltaucher Schweiz

«Die Arbeit wird uns sicher nicht ausgehen», sagt Matthias Ardizzon, Präsident der Abfalltaucher Schweiz. Immer wieder ist die Tauchgemeinschaft in Seen unterwegs, um Müll aus dem Wasser zu bergen. Zuletzt im Einsatz waren sie kürzlich in Vitznau: «1,2 Tonnen Abfall haben wir dort aus dem See geholt.»

Abfall sammelt sich über längere Zeit an

Bei der Clean-up-Aktion Anfang September waren ehrenamtlich 15 Taucher und 15 Helfer an Land im Einsatz. «Es ist unglaublich, was alles auf dem Seegrund liegt», so Ardizzon. Flaschen, Karaffen, Plastikmüll, Vasen, Blechkübel oder gar Leitern und alte Bettgestelle fanden sich auf dem Seegrund. «Kleinere Gegenstände sammeln wir etwa in Kartoffelnetzen, grössere Teile werden mit einem sogenannten Hebesack an die Oberfläche gebracht.»

Nur ein Teil des Güsels stammt laut Ardizzon aus neuerer Zeit: «Der ganze Müll hat sich während Jahren dort angesammelt. Wir werden sicher noch einige Clean-ups machen müssen, um das alles zu bergen.» Es sei gut möglich, dass man in diesem Gebiet bei künftigen Aktionen noch Material aus dem Zweiten Weltkrieg findet.

Abfalltaucher wollen Vorbildfunktion einnehmen

Der zugemüllte Seegrund stimmt Ardizzon nachdenklich. «Andererseits ist es wunderbar zu sehen, wie viele Freiwillige bei den Aktionen mithelfen.» So könne die Tauchgemeinschaft während der Einsätze auch immer wieder Leute für das Thema sensibilisieren. Denn mehr als 700 Kilogramm Kehricht produzieren die Schweizer jährlich pro Kopf. «Viele sind sich gar nicht bewusst, was sie durch ihr Konsumverhalten auslösen.»

So sieht die freiwillige Arbeit der Abfalltaucher aus. (Video: Abfalltaucher Schweiz)

Umso schöner sei es, wenn man Zuspruch von Passanten erhalte. «Es haben sich nach Einsätzen auch schon Leute gemeldet, die ihr Verhalten wegen der Sensibilisierung geändert hätten.» Die Arbeit der Abfalltaucher sei zwar «nur ein Tropfen auf den heissen Stein», so Ardizzon. «Aber aus mehreren Tropfen entsteht irgendwann eine Lache und aus mehreren Lachen irgendwann ein Ozean. Deshalb wollen wir eine Vorbildfunktion einnehmen.»

Eine weitere Clean-up-Aktion findet am Samstag statt. «Dann geht die Arbeit weiter», sagt Ardizzon. Die Kosten für die Abfallmulde, in der das Material gesammelt wird, würden von der Gemeinde übernommen. Lohn erhalten die freiwilligen Helfer nicht, das Mittagessen werde aber vom Hotel Terrasse am See in Vitznau offeriert.

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