Aktualisiert 08.08.2017 17:59

Piper stürzt in Bodensee

Unglückspilot war ein 74-jähriger Aargauer

Bei Konstanz ist eine Piper in den Bodensee gestürzt. Die Polizei geht von zwei Toten aus. Laut Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen in der Luft ab.

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Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes bergen mit einem Kran die Trümmer das abgestürzten Kleinflugzeuges aus dem Bodensee. (9. August 2017)

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes bergen mit einem Kran die Trümmer das abgestürzten Kleinflugzeuges aus dem Bodensee. (9. August 2017)

Keystone/Lisa Kohls
Von der Stadtwerke Konstanz zur Bergung angemietet: Die Fähre «Fontainebleau» auf dem Bodensee.

Von der Stadtwerke Konstanz zur Bergung angemietet: Die Fähre «Fontainebleau» auf dem Bodensee.

Keystone/Lisa Kohls
Mit der Autofähre werden Bergungskräfte zur Absturzstelle im Bodensee transportiert.

Mit der Autofähre werden Bergungskräfte zur Absturzstelle im Bodensee transportiert.

Keystone/Lisa Kohls

Ein Kleinflugzeug ist heute Mittag vor Konstanz in den Bodensee gestürzt. Die Maschine, die von Zürich nach Hamburg unterwegs war, sank vor der Insel Mainau. Beide Insassen werden vermisst. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass sie nicht überlebt haben.

Wie ein Polizeisprecher sagte, sank das Geschäftsflugzeug gegen 12 Uhr etwa 200 Meter nordöstlich der Insel Mainau. Nach bisherigen Erkenntnissen war das Flugzeug mit zwei Personen besetzt. Gemäss Recherchen von «Tele Züri» war der Pilot ein 74-jähriger Aargauer.

Leichen- und Trümmerteile gefunden

Ein Sprecher der Feuerwehr berichtete, dass Leichenteile gefunden worden seien. Feuerwehrsprecher Christopher Kutschker und ein Polizeisprecher vor Ort gingen davon aus, dass beide Insassen tot sind.

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr eilten zur Absturzstelle. Ein Helikopter der Bundespolizei flog über dem Bereich, um zu sehen ob sich möglicherweise Kerosin im Bodensee ausbreitet.

Die Wasserschutzpolizei war mit einem Tauchroboter im Einsatz. Anhand von dessen Aufzeichnungen sollte entschieden werden, wie die Maschine zu bergen ist. Am Abend wurde dann bekannt, dass die Bergungsarbeiten unterbrochen wurden, wegen einer Warnung vor starkem Wind. Die Bergung sollte am Mittwoch fortgesetzt werden.

Die Bergungsaktion auf dem Bodensee. (Video: Tamedia/Mit Material vom Südkurier)

Das Flugzeug war laut Polizei gegen 11.30 Uhr vom Flughafen Zürich in Richtung Hamburg gestartet. Um 11.53 Uhr teilten Zeugen dem Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Konstanz den Absturz mit. Am Absturzort soll der Bodensee rund 60 Meter tief sein. Die Wasserschutzpolizei hat bereits Trümmerteile an der Wasseroberfläche entdeckt.

Augenzeugen berichten

Ein Leser-Reporter berichtet gegenüber , «auf dem See hat es ein riesiges Aufgebot an Rettungskräften. Einen Haufen Schiffe, die den See hoch und runter fahren und einen Helikopter der ständig in der Luft kreist. Die Schiffe bringen immer wieder Wrackteile an Land. Kistenweise Material wird da auf einem Steg ausgebreitet. Das sind alles Kleinteile des Flugzeugs, die aus dem Wasser gefischt wurden. Darunter sollen auch Leichenteile sein, wie ich gehört habe. So wie es aussieht, hat es das Flugzeug in tausend Teile zerlegt. Das einzige grosse Teil ist das Fahrgestell, das haben sie auch schon aus dem Wasser geholt. Jetzt suchen sie offenbar mit einem Tauchroboter den Grund ab.»

Ein Augenzeuge des Absturzes sagt, das Flugzeug sei mit einem unglaublichen Tempo senkrecht in den See gestürzt.

Weitere Zeugen sagten gemäss «SWR», die Maschine habe kurz vor dem Absturz «Kunstflugmanöver» durchgeführt. Der Südkurier berichtet derweil, das Flugzeug habe sich im Instrumentenflug befunden, als es bei Skyguide vom Radar verschwand. Andere Augenzeugen berichteten, dass die Maschine bereits vor dem Aufprall auf dem Wasser Teile des Flügels verloren hätte, weshalb die abstürzenden Maschine ins Trudeln geraten sei, schreibt die «Bild»-Zeitung.

Der «Schwäbischen Zeitung» berichtete ein weiterer Augenzeuge, der mit dem Boot auf dem See gewesen sei, dass das Flugzeug einen Looping geflogen habe und danach in zirka 700 Metern Höhe ins Trudeln geraten sei. Dem Piloten sei es wohl nicht mehr gelungen, die Maschine zu stabilisieren. Teile der Tragfläche seien abgerissen und kurz vor dem Aufprall sei auch Rauch aus der Maschine gekommen, sagte der Augenzeuge weiter.

Aufgrund einer aktuellen Starkwindwarnung für den westlichen Teil des Bodensees müssen die Such- und Bergungsmassnahmen eventuell unterbrochen werden, teilt das Polizeipräsidium Konstanz mit.

Turbulenzen durch Fallwinde

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde in den Flugwetterkarten vom Dienstag darauf hingewiesen, dass es – bedingt durch Fallwinde in den Alpen – moderate Turbulenzen über dem Bodensee geben kann. Damit seien zum Beispiel schnelle Windänderungen gemeint, erklärte ein DWD-Sprecher.

Am Boden habe laut Aufzeichnungen der Wetterstation Konstanz «normales, unspektakuläres Wetter» geherrscht mit schwachen Windgeschwindigkeiten und ohne Niederschlag.

Jugendliche hörten Absturz

Von einem Jugendzeltlager in Konstanz aus haben nach Polizeiangaben Kinder und Jugendliche den Sturzflug gesehen und den Aufprall gehört. Wegen der Bäume am Ufer hätten sie aber im Moment des Aufpralls keinen Sichtkontakt gehabt, so ein Polizeisprecher.

Auf der international bekannten Blumeninsel Mainau im Bodensee konnte man den Vorfall nach Angaben der Pressestelle der Inselverwaltung nicht sehen. Die Nordseite der Insel sei bewaldet und nicht für Besucher zugänglich, sagte eine Pressesprecherin.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig hat ihre Fachleute vor Ort geschickt. Nach Angaben eines Sprechers werden sie nach Möglichkeit bei Erkundungen der Absturzstelle mit dem Boot dabei sein. Sollte das Flugzeug geborgen werden, untersuchen es die Experten. Auch Wetterdaten vom Unfallort werten sie aus.

Zeugen gesucht

Zur Klärung der Absturzursache sucht die Polizei Zeugen, die Bildaufnahmen vom Absturz gemacht haben. Diese Daten sollen auf der Plattform https://bka-hinweisportal.de der Polizei zur Verfügung gestellt werden. (nxp/sda)

(NewsXpress)
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