Aktualisiert 23.06.2017 10:22

WeltraumforschungUni Bern sucht nach erdähnlichem Planeten

Forscher der Uni Bern helfen tatkräftig mit, Dank zwei speziell dafür konzipierten Satelliten einen Erd-Zwilling zu suchen.

von
stm
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Das Teleskop Cheops Flugmodell im Reinraum in der Länggasse in Bern.

Das Teleskop Cheops Flugmodell im Reinraum in der Länggasse in Bern.

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Im Reinraum herrschen strenge Vorschriften. So tragen die Forscher mehrere Schichten Kleider, einen Mundschutz und Handschuhe.

Im Reinraum herrschen strenge Vorschriften. So tragen die Forscher mehrere Schichten Kleider, einen Mundschutz und Handschuhe.

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Der Satellit-Ceops bei der Vorbereitung zu einem Test.

Der Satellit-Ceops bei der Vorbereitung zu einem Test.

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Die Menschheit stellt sich seit jeher die Frage, ob noch Leben auf einem anderen Planeten existiert. Ab nächstem Jahr soll der Cheops-Satellit um die Erde kreisen und sich auf die Suche nach Planeten machen, die in ihrer Beschaffenheit der Erde ähnlich sind. Die Europäische Weltraumargentur ESA hat nun das Startsignal für den Bau eines zweiten Satelliten mit dem Namen Plato gegeben, berichtet der «Bund». Plato soll aus 26 Teleskopen mit je einem Durchmesser von 12 Zentimetern bestehen. Er soll während vier bis sechs Jahren in einer Entfernung von 1,5 Millionen Kilometern um die Erde kreisen. Dabei soll er das Licht von über hunderttausend Sternen einfangen.

Erkenntnisse durch Lichtveränderung

Die Halterung der 26 Teleskope von Plato hat das «Center for Space and Habitability» (CSH) an der Universität Bern entworfen.

Bei Cheops ist sie für die gesamte Mission verantwortlich und insbesondere das komplette Teleskop. «Bei beiden Satelliten geht es darum, das Licht von Sternen zu messen», sagt Christopher Broeg, Projektleiter von Cheops-Konzertium. «Wenn ein Planet an einem anderen Stern vorbeizieht, gibt es eine Verdunklung des Lichts», sagt Broeg. So könne man die Grösse des Planeten bestimmen.

Dennoch unterscheiden sich die beiden Projekte klar voneinander: «Bei der Cheops-Mission geht es um die Messung von bekannten Systemen», sagt Broeg. Bei der Plato-Mission wollen die Forscher hingegen möglichst alle hellen Sterne am Himmel sehr lange betrachten und so viele neue Planeten entdecken.

Plato-Satellit soll ab 2026 unterwegs sein

Bis sich Plato auf die Suche nach neuen Planeten aufmachen wird, könnte es aber noch bis ins Jahre 2026 dauern. Denn die ESA wird noch weitere Angebote aus dem Ausland für den Bau des Satelliten einholen. Aber auch Schweizer Unternehmen werden sich an der Befestigung der Teleskope beteiligen. Die Linsen werden dann in Italien eingebaut. Das Projekt verschlingt rund 600 Millionen Euro.

Einiges schneller wird es gehen, bis der Satellit Cheops in den Weltraum fliegt, wo die Uni Bern von der Länggasse aus bei einigen Tests mit dabei ist. «Geplant ist, dass wir Ende 2018 bereit zum Start sein sollen», so Broeg. Effektiv starten werde man dann wahrscheinlich im Januar 2019. Im Unterschied zu Plato ist Cheops mit nur einem Teleskop ausgestattet, dieses sei mit 32 cm Spiegeldurchmesser aber grösser als die Plato- Teleskope. Broeg: «Das Projekt ist auch vom Budget her deutlich kleiner aufgestellt.»

Berner führen Tests an Cheops durch

Derzeit werden an Cheops in der Länggasse noch Tests durchgeführt. «Wir testen, ob das Teleskop funktioniert», sagt Broeg. Dabei sei Sauberkeit enorm wichtig. In einem Reinraum tragen die Forscher mehrere Schichten Kleider, Handschuhe und einen Mundschutz. «Es ist wichtig, dass man stabil misst, wie viel Licht ankommt», sagt Broeg. Denn Dreckteilchen streuten das Licht beispielsweise von der Erde. «Es ist wichtig, dass man stabil misst, wie viel Licht des Sterns ankommt», sagt Broeg. Störungen durch Streulicht könne man da nicht tolerieren. Auch gebe es eine Thermal-Vakuumkammer, in der Druck und Temperatur des Orbits simuliert werden können. In einem Schütteltest werde zudem geprüft, ob das Instrument den Start überlebe. Broeg: «Wir wollen unter realistischen Bedingungen testen.»

Das die Tests in Zusammenarbeit mit der ESA in der Schweiz durchgeführt werden, erstaunt Broeg nicht: «Die Uni Bern hat lange Jahre Erfahrung in der Raumforschung. Hier herrschen optimale Bedingungen.»

So funktionierts

Die Teleskope auf den Satelliten sollen das Licht von hunderttausend Planeten einfangen. Zieht ein Planet an einem Stern vorbei, können durch die Verdunklung des Lichts Informationen über die Grösse, die Temperatur, die Struktur der Atmosphäre und die Masse des Planeten bestimmt werden. Die Informationen werden dann durch Instrumente im Kontrollzentrum auf der Erde erfasst.

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