Direkt in die Wirtschaft: Uni oder Fachhochschule?
Aktualisiert

Direkt in die WirtschaftUni oder Fachhochschule?

Was ist eigentlich der Unterschied
zwischen einer Hochschule und einer Fachhochschule? Welcher Abschluss öffnet welche Türen? Zwei junge Wirtschaftsabsolventen wissen es – und reden darüber.

von
Christian Mattli
André Stadler (l.). Christoph Locher (r.)

André Stadler (l.). Christoph Locher (r.)

«Und dann habe ich gesehen, dass man für viele coole Jobs ein Studium braucht», sagt André Stadler. Er arbeitete damals beim Technologiekonzern Ruag - und zwar als Einkäufer und Assistent des Produktmanagers. Zuvor hatte der heute 27-jährige Urner die Handelsmittelschule abgeschlossen. Um nun selber einmal an die coolen Jobs zu kommen, beschloss André Stadler, ein Studium zu absolvieren. Er machte die Berufsmatura und studierte danach drei Jahre lang an der Fachhochschule Luzern: Wirtschaft mit Vertiefung in Tourismus und Mobilität. Im Sommer 2008 schloss er mit dem Bachelor ab.

«Das Studium ist anspruchsvoll», sagt André Stadler rückblickend. «Aber wer wirklich will und fleissig ist, schafft es.» Ganz besonders geschätzt hat er die anwendungsorientierte Ausbildung. «Wir haben Businesspläne geschrieben und Projekte durchgeführt, die alle einen engen Bezug zur Praxis hatten. Auch viele Referenten standen mit beiden Füssen fest im wirtschaftlichen Alltag.» Auf diese Weise vorbereitet, fasste André Stadler nach dem Studium denn auch gleich wieder Tritt in der Wirtschaftswelt. Schon die erste Bewerbung war erfolgreich. Bei der Planzer Transport AG in Spreitenbach leitete er fortan vierzig Angestellte mit dreissig Lastwagen. Im vergangenen Herbst dann nahm André Stadler eine neue berufliche Herausforderung an: Kalkulationsleiter beim Fensterbauer 4B in Hochdorf. «Hier kann ich mich gut weiterentwickeln», sagt er. «Es ist wirklich ein cooler Job.» Damit hat André Stadler erreicht, was er sich vom Studium versprochen hatte. «Ich bin sehr zufrieden.»

Sehr zufrieden ist auch der 25-jährige Christoph Locher aus Altdorf. Nach dem Gymnasium studierte er an der Universität St. Gallen Wirtschaft mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre. «Ich wollte ein Studium absolvieren, das mir Spass macht, das zu meinen Fähigkeiten passt und das mir alle beruflichen Möglichkeiten offen lässt», sagt er. Zwar sei solch ein Studium stark auf die wissenschaftlichen Grundlagen des Fachs ausgerichtet – und weniger auf die berufliche Praxis. «Aber mir hat das gefallen», meint Christoph Locher. Vor eineinhalb Jahren schloss er mit dem Bachelor ab. Danach wechselte er gleich in die Arbeitswelt: Als Assistent zu PricewaterhouseCoopers in Zug. «Ich wollte mich berufsbegleitend zum Wirtschaftsprüfer weiterbilden.»

Das tut Christoph Locher jetzt. «Ausbildung und Job sind sehr motivierend», sagt er. Nur manchmal blickt er ein wenig wehmütig auf seine ehemaligen Universitätskollegen, die zurzeit den Master absolvieren und das freie Studentenleben geniessen.

www.unisg.ch

www.hslu.ch

Bachelor und Master

Die Schweiz kennt drei Hochschultypen: Universitäre Hochschule, Fachhochschule und Pädagogische Hochschule. Für alle drei braucht es ein Eintrittsticket: Maturitätsausweis für die Universitäre und die Pädagogische Hochschule, Berufsmaturität oder gymnasiale Matura – und oft auch eine einjährige Arbeitswelterfahrung – für die Fachhochschule.

Der erste Abschluss auf Hochschulstufe heisst Bachelor. Er öffnet das Tor ins Berufsleben. Wer ihn haben will, muss dafür rund drei Jahre investieren. Der nächsthöhere Abschluss ist der Master. Die reguläre Studienzeit beträgt drei oder vier Semester. Der universitäre Masterabschluss entspricht dem früheren Lizenziat oder Diplom.

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