Zürich: Uni will Geldstrafen für Studierende einführen
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ZürichUni will Geldstrafen für Studierende einführen

Die Universität Zürich plant eine Anpassung der Disziplinarverordnung. Der Verband der Studierenden kritisiert das Vorhaben.

von
tam
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Die Universität Zürich will die Disziplinarverordnung anpassen. Neu sollen auch gemeinnützige Arbeit und Geldstrafen möglich sein.

Die Universität Zürich will die Disziplinarverordnung anpassen. Neu sollen auch gemeinnützige Arbeit und Geldstrafen möglich sein.

Keystone/Walter Bieri
Der Studierendenverband ist damit nicht einverstanden. Das Problem sei, dass Geldstrafen nicht alle Studierenden unbedingt gleichermassen treffen würden. Der Verband kritisiert auch die Maximalhöhe der Geldstrafe.

Der Studierendenverband ist damit nicht einverstanden. Das Problem sei, dass Geldstrafen nicht alle Studierenden unbedingt gleichermassen treffen würden. Der Verband kritisiert auch die Maximalhöhe der Geldstrafe.

Keystone/Christian Beutler
Werde eine Geldstrafe ausgesprochen, würden die finanziellen Verhältnisse der angeschuldigten Person angemessen berücksichtigt, heisst es bei der Universität. Beim Betrag von 5000 Franken handle es sich um eine Maximalstrafe.

Werde eine Geldstrafe ausgesprochen, würden die finanziellen Verhältnisse der angeschuldigten Person angemessen berücksichtigt, heisst es bei der Universität. Beim Betrag von 5000 Franken handle es sich um eine Maximalstrafe.

Keystone/str

Eine Geldstrafe von 5000 Franken oder gemeinnützige Arbeit von bis zu 40 Stunden – geht es nach dem Vorschlag der Universität Zürich, soll das bald möglich sein. Die Institution plant eine Anpassung der Disziplinarverordnung, wie die «Zürcher Studierendenzeitung» berichtet. Bei den Studierenden kommt dieses Vorhaben nicht gut an.

«Der Studierendenverband ist der Meinung, dass die Universität keine Geldstrafen benötigt», sagt Isaias Moser, Co-Präsident des VSUZH. Es gebe auch kaum Wiederholungstäter. Die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten würden ausreichen. Bisher reichen diese von schriftlichen Verweisen über den Ausschluss aus einzelnen Einrichtungen wie der Mensa bis zur Suspendierung von einem bis sechs Semester.

«Das ist einmalig»

Der Verband kritisiert auch die Maximalhöhe der Geldstrafe: «Das ist einmalig. Nach unseren Kenntnissen kennen nur zwei Universitäten in der ganzen Schweiz bisher Geldstrafen oder Bussen bei einem Maximum von 3000 Franken.» Es sei nicht ersichtlich, wie man auf eine Maximalstrafe von 5000 Franken gekommen sei.

Das Problem an Geldstrafen sei, dass diese Sanktion nicht alle Studierenden unbedingt gleichermassen treffen. «Studierende, die Unterstützung von ihren Eltern erhalten, sind von einer Geldstrafe nicht in gleicher Art und Weise betroffen wie Studierende, die nicht unterstützt werden.» Zudem habe man Bedenken, dass das Gefühl entstehen könnte, dass Studierende sich freikaufen können.

Grund für Anpassung sind Plagiate

Der Grund für die geplante Anpassung sind unlauteres Prüfungsverhalten wie etwa Plagiate, wie es bei der Universität Zürich auf Anfrage heisst. «Im Gegensatz zu früher machen diese heute die meisten Verfahren aus», sagt Sprecher Beat Müller. Die bisherige Disziplinarverordnung habe sich als relativ unflexibel erwiesen. «Es fehlte etwa an geeigneten Sanktionsformen für Personen, die das Studium schon abgeschlossen haben.»

Die wichtigste Neuerung sei die Möglichkeit einer Sanktionierung mit gemeinnütziger Arbeit von bis zu 40 Stunden. «Das gilt bei Experten als die sozial sinnvollste Sanktion. Es ist damit zu rechnen, dass sie häufig zum Einsatz kommen wird», so Müller. Da eine Arbeitsleistung aber freiwillig sei, brauche es eine alternative Sanktion – eine Geldleistung. Diese komme zudem zur Anwendung, wenn ein Ausschluss von Lehrveranstaltungen oder eine gemeinnützige Arbeit keinen Sinn machen würden.

«Finanzielle Verhältnisse werden berücksichtigt»

Beim Betrag von 5000 Franken handle es sich um eine Maximalstrafe: «In bestimmten Fällen werden selbst 5000 Franken für die angeschuldigte Person wenig sein, etwa wenn die angeschuldigte Person für das Verfassen einer Masterarbeit 10'000 Franken an einen Ghostwriter bezahlt hat.» Werde eine Geldstrafe ausgesprochen, würden die finanziellen Verhältnisse der angeschuldigten Person angemessen berücksichtigt. «Das ist in der Verordnung geregelt und gewährleistet eine massvolle Anwendung.»

In wie vielen Fällen die Geldstrafe zur Anwendung kommen könnte, könne man nicht voraussagen. «Aber sie soll ja auch eine abschreckende Wirkung erzielen.» Der Universitätsrat wird im Verlaufe des Frühlings über die Anpassung entscheiden.

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