Aktualisiert 26.03.2014 16:48

Kritik an WebfilterUni Zürich gründet Porno-Arbeitsgruppe

Die Uni Zürich installierte einen Pornofilter, krebste nach harscher Kritik jedoch zurück: Der Filter ist nur noch teilweise aktiv. Eine Arbeitsgruppe soll nun eine Lösung finden.

von
num
In öffentlichen Bibliotheken bleibt der Filter aktiv.

In öffentlichen Bibliotheken bleibt der Filter aktiv.

Die Universität Zürich aktivierte im Februar einen Filter, der den Zugriff auf pornografische Websites verhinderte. Das sorgte nicht nur von Studentenvertretern für heftige Kritik: Der Chaos-Computer-Club zeigte anhand einer Liste auf, dass auch unbedenkliche Seiten am Filter hängenbleiben.

Am Dienstag tagte darauf die Erweiterte Universitätsleitung und überdachte die Massnahme. Sie kam zum Schluss, dass der Filter in den öffentlichen Bibliotheken bestehen bleiben solle. In den Instituten und im WLAN wird er jedoch abgeschaltet.

Gleichzeitig soll eine Arbeitsgruppe bis im Sommer Lösungen präsentieren, wie auf sexuelle Belästigung durch öffentlichen Pornografiekonsum am Arbeits- und Studienplatz reagiert werden soll.

Deaktiviert in kleineren Bibliotheken

Beim Chaos-Computer-Club ist man davon noch nicht überzeugt: «Wir sind erst dann zufrieden, wenn der Webfilter vollständig verschwunden ist», sagt Sprecher Hernani Marques.

Der Filter sei mit dieser Massnahme aber auch in den Bibliotheken «faktisch weg», weil er bei den Instituten selbst bereits aufgehoben sei. Marques: «Da es bei den Institutsbibliotheken schwierig sein wird, bei den Kabelverbindungen eine Trennung zu den Instituten vorzunehmen, ist die Zensur also praktisch aufgehoben.»

Das bestätigt Beat Müller, Sprecher der Uni Zürich: «In den grösseren Bibliotheken, die über ein eigenes Netz verfügen, ist der Filter noch aktiv. In kleineren Bibliotheken, die an Institute angeschlossen sind, wurde er deaktiviert.»

Schweizer Unis setzen auf Eigenverantwortung

Andere Universitäten in der Schweiz bewerten den freien Zugriff auf das Netz höher als eine eventuelle Belästigung. Auf Anfrage teilt die Uni Luzern mit, man habe überhaupt keinen Filter installiert. Ebenso die Uni Bern. Die Uni Basel hat den Kinderpornografie-Filter der Kobik installiert, setze aber ansonsten auf «Eigenverantwortung» der Studierenden.

Reto Caluori, Sprecher der Uni Basel: «Wenn die Universität den Wert, pornografische Inhalte aus ihrem Netz fernzuhalten, höher bewerten würde als den freien Zugriff auf jegliche Information, könnte dies ein Grund sein, einen Filter einzuführen.» Diese Diskussion sei bisher an der Universität Basel nicht geführt worden.

Wie viele Fälle gab es?

Warum wurde der Filter überhaupt installiert? Uni-Sprecher Beat Müller: «Es gab in der Vergangenheit einige Fälle von sexueller Belästigung durch das Konsumieren von Pornografie in öffentlichen Räumen.» Näher präzisieren will er diese Beschwerden nicht.

CCC-Sprecher Hernani Marques: «Andere Unis arbeiten mit Verwarnungen und im Wiederholungsfall mit Hausverboten. Bei der Uni Zürich entsteht der Eindruck, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.»

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