Patent «made in Switzerland» - Uni Zürich könnte mit Alzheimer-Medikament Millionen verdienen
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Patent «made in Switzerland»Uni Zürich könnte mit Alzheimer-Medikament Millionen verdienen

Das Patent eines neues Alzheimer-Medikaments gehört der Uni Zürich. Damit ist sie am Gewinn des US-Biotechnologiekonzerns Biogen beteiligt. Die Freude ist riesig.

von
Karin Leuthold
Den Wirkstoff Aducanumab für das neu zugelassene Alzheimer-Medikament entwickelten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den Labors der Universität Zürich und der Firma Neurimmune aus Schlieren.

Den Wirkstoff Aducanumab für das neu zugelassene Alzheimer-Medikament entwickelten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den Labors der Universität Zürich und der Firma Neurimmune aus Schlieren.

20min/sac

Darum gehts

  • Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten haben die USA ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen.

  • Das Patent für den Wirkstoff Aducanumab gehört der Uni Zürich.

  • Sie ist prozentual am Gewinn des Herstellers Biogen beteiligt.

Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten haben die USA ein neues Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Für die Uni Zürich ist das ein Grund zur Feier, denn das Mittel namens Aducanumab (auch Aduhelm genannt) wurde dort im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt. Somit ist die Uni Zürich Inhaberin eines wichtigen Patents für den Wirkstoff. Mit anderen Worten: Kommt das Medikament auf den Markt, verdient die Uni ordentlich mit.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, haben die beiden Neurowissenschaftler und -wissenschaftlerinnen hinter der Entwicklung inzwischen ein Spin-off-Unternehmen gegründet, das für die Kommerzialisierung von Aducanumab zuständig ist. Durch die Firma Neurimmune von Roger Nitsch und Christoph Hock sollen Gelder an die Hochschule, die das Forschungsprojekt finanzierte, zurückfliessen. Die Umsatzbeteiligung liege bei etwa zwei Prozent, meint ein Fachexperte.

Der Uni Zürich winken mindestens 100 Mio. Dollar

Eine grobe Schätzung wirft bereits Zahlen im neunstelligen Bereich: Beträgt der Umsatz des US-Konzerns Biogen zwischen fünf bis sechs Milliarden Dollar pro Jahr, dürften der Uni Zürich rund 100 Millionen Dollar zustehen. Und das scheint laut dem «Tagi» nur das Worst-Case-Szenario zu sein, denn laut anderen Berechnungen könnte Biogen bis zu 112 Milliarden Dollar pro Jahr mit Aducanumab einholen. Für die Uni sei es ein bisschen wie ein Sechser im Lotto, schreibt der «Tagi». Das Patent läuft noch bis im Januar 2028.

Wie gut Aducanumab wirkt, ist allerdings umstritten: Ein internes Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde FDA hatte sich gegen die Zulassung ausgesprochen, mehrere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sich öffentlich skeptisch geäussert. Zahlreiche Patienten-Organisationen hatten sich jedoch für die Zulassung stark gemacht. Das Medikament soll Patienten und Patientinnen mit Alzheimer im Frühstadium als monatliche Infusion gegeben werden und den Abbau der Geisteskraft stoppen. Es ist damit auch der erste in den USA zugelassene Wirkstoff, der dem Fortschritt der Krankheit und nicht nur Symptomen entgegenwirken soll.

Erfinder und Erfinderinnen profitieren mit

Obwohl Biogen die alleinige Lizenz für Aducanumab seit 2007 besitzt, wird auch Neurimmune am Erfolg beteiligt sein, berichtet der «Tagi» weiter. Vor drei Jahren gab Biogen bekannt, dass die prozentuale Beteiligung von Neurimmune mit einer Zahlung von einmalig 50 Millionen Dollar auf zukünftig acht bis zwölf Prozent zurückgefahren werde – was aber noch immer eine stolze Summe sein wird. Auch von den zwei Prozent Beteiligung der Universität Zürich erhalten die Erfinder und Erfinderinnen noch einmal rund zehn Prozent.

Wie gross der Geldsegen schliesslich sein wird, hängt davon ab, was das Medikament tatsächlich kosten wird und wie erfolgreich es sein wird. Biogen will 56’000 Dollar pro Jahr dafür. Gesundheitsexperten und -expertinnen hatten einen angemessenen Preis irgendwo zwischen 2500 und 8300 Dollar erwartet. Finanzanalysten und -analystinnen, welche den Pharmaunternehmen wohlgesinnt sind, rechneten mit einer Preisspanne von 10’000 bis 25’000 Dollar.

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