Fliegen-Embryos: Uni Zürich widerlegt Nobelpreisträgerin
Aktualisiert

Fliegen-EmbryosUni Zürich widerlegt Nobelpreisträgerin

Forscher der Universität Zürich haben einen Mechanismus beschrieben, der für die richtige Entwicklung des Fliegen-Embryos sorgt. Sie widerlegen damit ein Lehrbuchmodell, das von der deutschen Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard stammt.

Die Molekularbiologen um Markus Noll untersuchten die Bildung des «bicoid-Gradienten», der die Entwicklung der Taufliege steuert, wie die Universität Zürich am Dienstag mitteilte. Produkte, die aus einem Gen namens bicoid entstehen, verteilen sich dabei im Fliegen- Embryo so, dass ihre Konzentration vom vorderen Pol her monoton abfällt.

Dieser Gradient bestimmt im Wesentlichen, an welchem Platz im Embryo später Kopf oder Rumpf der Fliege entstehen: Das Eiweiss, das aus dem bicoid-Gen entsteht, aktiviert nämlich in unterschiedlichen Konzentrationen verschiedene Gene.

Ein falsches Dogma

Laut der Mitteilung schlugen im Jahr 1988 Forscher um Christiane Nüsslein-Volhard ein Modell für die Entstehung des Gradienten vor. Nach der Vorstellung der späteren Nobelpreisträgerin bildet sich am vorderen Pol aus dem bicoid-Gen zuerst eine Abschrift, die so genannte Boten-DNA, und daraus danach viele bicoid-Eiweisse.

Erst diese, so die Vorstellung, diffundierten nach hinten und bildeten so ein Konzentrationsgefälle. Dieses Modell werde seither in allen entwicklungsbiologischen Lehrbüchern wie ein Dogma gelehrt, heisst es in der Mitteilung. Und das, obwohl Markus Noll und sein Team bereits 1986 einen anderen Mechanismus vorgeschlagen hätten.

Bereits Gen-Abschrift diffundiert

In der neuesten Ausgabe des Fachmagazins «Development» bestätigen die Zürcher Forscher mit modernen Untersuchungsmethoden ihre damaligen Befunde. Sie kommen zum Schluss, dass nicht erst das bicoid-Eiweiss, sondern bereits die Boten-DNA im Embryo ein Konzentrationsgefälle bilde.

Die Forscher um Noll schlagen auch ein Modell vor, wie diese DNA- Stücke transportiert werden. Demnach gelangen sie mit Hilfe eines Netzwerks von so genannten Mikrotubuli, einer Art Eiweissröhrchen, vom vorderen Pol des Embryos nach hinten.

(sda)

Deine Meinung