Aktualisiert 12.10.2011 18:29

Braunes von obenUnia stoppt «beschissene» Arbeit

Weil den Arbeitern immer wieder Exkremente aus Zugklos auf den Kopf fielen, hat die Gewerkschaft Unia heute Mittag eine Baustelle am Zürcher Hauptbahnhof dichtgemacht.

von
sut/job
Von oben gab es immer wieder unschöne Überraschungen: Baustelle am HB.

Von oben gab es immer wieder unschöne Überraschungen: Baustelle am HB.

Das waren verschissene Arbeitsbedingungen im wortwörtlichen Sinn: An einer Baustelle im Zürcher Hauptbahnhof mussten die Arbeiter bis heute Mittag jederzeit damit rechnen, dass ihnen Exkremente um die Ohren fliegen. Der Grund: Die Baustelle befand sich unter einem Gleis; bei alten Zugkompositionen plumpst die WC-Ladung einfach aus dem Zug.

Heute Mittag hat die Unia die Baustelle nun geschlossen. Sie begründete den Schritt in einer Medienmitteilung mit dem Gesundheitsschutz und der Arbeitssicherheit: «Weil die Arbeiter stets darauf gefasst sein müssen, dass ihnen Kot auf den Kopf fällt, werden sie unachtsam.» Zudem sei es einfach unwürdig, wenn am Armierungseisen verkrusteter Kot klebe, ergänzt Unia-Sprecher Lorenz Keller gegenüber 20 Minuten.

Bei Kot sind 80 Prozent zu wenig

Bekannt ist die Tücke der Baustelle schon seit September. Die Unia intervenierte bei den SBB, welche daraufhin eine Überdeckung vorschlug. Zudem versicherte die SBB, keine Züge mit Plumpsklos mehr auf das Gleis zu lassen - das funktionierte gemäss Unia aber nicht. «Zugegeben, es ist keine einfache Aufgabe; aber die SBB präsentierte zum Schluss eine 80-Prozent-Lösung - und wenn es um Exkremente geht, sind 80 Prozent zu wenig», sagt Keller.

Dieser Meinung sind auch die Arbeiter auf der Baustelle. «Es ist echt Scheisse, dort unten zu arbeiten: Man weiss nie, wann einem wieder jemand auf den Kopf pisst», sagt einer. «Ich schaue ständig nach oben, weil ich auch schon Kot auf meinem Helm hatte», meint ein zweiter.

Inzwischen haben die Unia und die SBB eine Lösung gefunden - kurz vor 16 Uhr haben die Arbeiter die Handschuhe wieder angezogen. «Wir haben aufgrund der ersten Reklamationen im September bereits Plexiglasplatten installiert und die Toiletten der alten Züge jeweils bei der Einfahrt in den HB abgesperrt», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann. Ob die beschriebenen Probleme vollständig gelöst werden können, müsse geprüft werden. Weil der Bahnhof trotz der grossen Baustelle weiterhin zu Gunsten der Bahnkunden voll in Betrieb bleiben müsse, gestalte sich die Situation nun einmal «nicht ganz einfach».

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