ARBEITSKAMPF: Unia und Migros kreuzen die Klingen
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ARBEITSKAMPFUnia und Migros kreuzen die Klingen

Die Gewerkschaft Unia legt sich erneut mit dem Grossverteiler Migros an. Sie prangert den orangen Riesen als Vorreiter bei der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen an. Die Migros sprach von einem Versuch am untauglichen Objekt.

Anlass für die gewerkschaftliche Kritik ist die Erhöhung der Arbeitszeit in den Migros-Bereichen Logistik, Gastronomie, Fleischverarbeitung und Freizeit am kommenden 1. Juli von 41 auf 43 Wochenstunden. Dieser Schritt, der rund 8000 Beschäftigte betreffe, stehe völlig quer in der Landschaft, kritisierte Unia-Copräsident Andreas Rieger. Der Migros gehe es ausgezeichnet. Die Produktivität sei in den letzten Jahren gestiegen, und die Lohnkosten seien deutlich gesunken. Die Erhöhung der Arbeitszeit stehe auch im Kontrast zum Anspruch der Migros, ein sozialer Arbeitgeber zu sein. Die Migros habe zudem auf Grund des neuen GAV auch eine Verschlechterung bei den Lohnverhandlungen eingeführt. Die Unia forderte die Migros auf, die Erhöhung der Arbeitszeit zurückzunehmen.

Die Migros wies die Kritik der Gewerkschaft zurück. Die Arbeitszeiterhöhung betreffe knapp zehn Prozent der Beschäftigten. Sie erhielten dafür innerhalb eines Jahres bis zu sechs Prozent mehr Lohn, heisst es in einer Mitteilung. Die Migros brauche in der Lohnpolitik keinen Vergleich zu scheuen. Der Unia warf die Migros eine mehr als durchsichtige Strategie vor, verfüge die Gewerkschaft im Detailhandel und bei der Migros doch über eine schmale Mitgliederbasis von nur knapp drei Prozent der Beschäftigten.

Die Migros und die Unia hatten in den vergangenen Jahren verschiedentlich die Klingen gekreuzt. Zuletzt hatte die Gewerkschaft im April dieses Jahres einen Teilerfolg vor dem Bundesverwaltungsgericht mit einer Klage wegen der Dauernachtarbeit und der Sonntagsarbeit im Fleischverarbeitungsbetrieb Micarna erzielt. Migros zog das Urteil ans Bundesgericht weiter. (dapd)

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