Aktualisiert 06.02.2008 10:13

UNICEF-Skandal: Schwere Verschwendungsvorwürfe

Auch nach dem Rücktritt in Deutschland von Heide Simonis als UNICEF-Vorsitzende wächst der Druck auf das Kinderhilfswerk.

Angesichts der anhaltenden Verschwendungsvorwürfe kam aus den Reihen des Deutschen Komitees für UNICEF die ultimative Aufforderung, eine ausserordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Mit der Weltklasse-Schwimmerin Sandra Völkler verlor UNICEF am Montag zudem die erste prominente Unterstützerin. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) kündigte zugleich an, das UNICEF-Spendensiegel zu überprüfen.

«Wir schauen, ob die Vorwürfe irgendwelche Konsequenzen auf das Spendensiegel haben», sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke den «Stuttgarter Nachrichten». Völker warf der UNICEF-Geschäftführung im «Hamburger Abendblatt» eine «katastrophale Kommunikationspolitik» und erklärte, sie wolle ihren Namen und ihre Arbeit nicht weiter zur Verfügung stellen.

Simonis Interimsnachfolger Reinhard Schlagintweit kündigte zwar Konsequenzen an, verteidigte aber zugleich den umstrittenen Geschäftsführer Dietrich Garlichs: «Er hat nichts Unrechtes getan.» Ausser einer «gewissen Grosszügigkeit und Unbekümmertheit und vielleicht auch ein bisschen Sorglosigkeit» sei ihm nichts vorzuwerfen. Im NDR räumte Schlagintweit aber zugleich ein, es habe Ordnungswidrigkeiten gegeben, weshalb nun die internen Strukturen überprüft werden sollen.

Simonis legte in ihren Vorwürfen gegen die UNICEF-Führung noch einmal nach und sagte der «Frankfurter Rundschau», sie habe sich im Namen der Basis für Öffentlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz stark gemacht. «Diese Punkte hätten jetzt sofort umgesetzt werden müssen.» Doch habe sie die Mehrheit des Vorstands gegen sich gehabt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe Verstösse gegen Unterschriftenregeln, das Vier-Augen-Prinzip und die Schriftform von Verträgen festgestellt.

UNICEF räumte dies am Montag teilweise ein, erklärte aber, es habe keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmässigkeiten, Satzungs- oder Gesetzesverstösse gegeben. «Die Vergabe von Aufträgen erfolgte stets unter nachvollziehbaren betrieblichen Rahmenbedingungen», zitierte die Organisation aus einem Vorstandsbeschluss von Mitte Januar, den auch Simonis mitgetragen habe.

Das Mitglied im Deutschen Komitee für UNICEF, Edith von Welser-Ude, verlangt laut einem Bericht der «Frankfurter Rundschau» (Dienstagausgabe) die sofortige Einberufung einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung, die das höchste Organ des Vereins UNICEF-Deutschland ist. Notfalls werde sie für die nötige Ein-Drittel-Unterstützung bei den Mitgliedern werben, um eine Mitgliederversammlung zu erzwingen, zitiert die Zeitung aus einem Brief Welser-Udes an Schlagintweit. Der Vorstand dürfe mit seiner «Wagenburgmentalität und Beschwichtigungsstrategie» nicht weitermachen.

Vorstandsmitglied sagt Umsetzung von Reformen zu

Vorstandsmitglied Carmen Creutz sagte der AP, die Forderungen nach mehr Transparenz seien «im Vorstand angekommen». Die ehrenamtlichen Mitglieder machten sich für organisatorische Reformen stark. UNICEF-Vorstandsmitglied Rolf Seelmann-Eggebert kritisierte, die im November in Medien erhobenen Vorwürfe seien Simonis bereits Mitte des Jahres bekannt und auch Thema im geschäftsführenden Vorstand gewesen. Deshalb hätte er erwartet, dass sie sich vor die Geschäftsführung gestellt hätte, sagte er der AP. Der Vorstand will sich ihm zufolge am 13. Februar mit der Simonis-Nachfolge befassen.

(dapd)

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