Zürich: Uniklinik sucht Kokain-Konsumenten
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ZürichUniklinik sucht Kokain-Konsumenten

Kein Aprilscherz: Für eine Studie sucht die Psychiatrische Uniklinik Zürich Kokain-Konsumenten. Gratis-Kokain gibt es jedoch nicht.

von
fro
Kokain-Konsumenten können an einer Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich teilnehmen, um zu sehen, wie ihr Belohnungssystem reagiert.

Kokain-Konsumenten können an einer Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich teilnehmen, um zu sehen, wie ihr Belohnungssystem reagiert.

Einen Schoggikuchen essen oder nach dem Sport ein Glas Wasser trinken: Das kann bei vielen Menschen Glücksgefühle auslösen. Anders bei Kokain-Konsumenten. Für sie verlieren solche alltäglichen Dinge an Bedeutung, da die Droge viel stärker wirkt als natürliche Reize.

«Unsere Vermutung ist, dass Kokain-Konsumenten diese Belohnungsreaktion im Gehirn schlechter aktivieren können als Personen, die kein Kokain konsumieren», sagt Marcus Herdener, stellvertretender Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Um dies zu überprüfen, führt er eine Pilotstudie durch und sucht 25 Personen, die ausschliesslich Kokain konsumieren und 25 Personen, die gar keine illegalen Drogen nehmen.

Für die Teilnehmer gibt es eine Belohnung

Die Probanden absolvieren dann zwei Mal denselben Test und müssen hierfür jeweils in einen Magnet-Resonanz-Tomographen liegen. Dieser macht eine Aufnahme ihres Gehirns. So kann man sehen, welche Region im Gehirn aktiviert wird. «Beim ersten Test sollen sich die Teilnehmer ein positives Ereignis vorstellen und können dabei relativ frei Themen auswählen», so Herdener. Dabei wird im Gehirn untersucht, ob Belohnungsregionen aktiviert werden oder nicht.

«Bei der zweiten Messung geben wir den Teilnehmern dann, während sie sich positive Dinge vorstellen, eine direkte Rückmeldung zu ihrer Hirnaktivität», sagt Herdener. «Mit diesem sogenannten Neurofeedback wollen wir ihnen helfen, die Aktivität im Belohnungssystem besser regulieren zu können.» Beim zweiten Test sehen die Probanden auf einem Bildschirm, ob ihr Belohungssystem aktiviert wird oder nicht. Wenn es nicht aktiviert wird, müssen sie sich andere Erlebnisse vorstellen und selber ausprobieren, was am besten in ihrem Belohnungssystem funktioniert.

Ziel der Studie ist, dass Kokain-Konsumenten die Belohnungsreaktion im Bezug auf natürliche Reize wieder selbstständig erlernen können. Diese sollen wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Die Teilnehmer können sich erst noch ein kleines Taschengeld dazu verdienen: Rund 100 Franken gibt es als Belohnung. Herdener: «Es wird jedoch kein Kokain verteilt.»

Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um einen Aprilscherz. Mehr Infos gibt es unter CoGlu-Studie@bli.uzh.ch

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