Im Labor hergestellt - Uniklinik Zürich testet Urwald-Droge gegen Depressionen und Angstzustände
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Im Labor hergestelltUniklinik Zürich testet Urwald-Droge gegen Depressionen und Angstzustände

Ein Forscherteam hat die Droge Ayahuasca an Probanden getestet. Die Wirkung soll etwa bei Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen helfen.

von
Alina Müller
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Die Droge Ayahuasca wird an der Universitätsklinik erforscht.

Die Droge Ayahuasca wird an der Universitätsklinik erforscht.

20min/Lynn Sachs
Längerfristig soll die Droge oft weniger Nebenwirkungen haben als klassische Medikamente.

Längerfristig soll die Droge oft weniger Nebenwirkungen haben als klassische Medikamente.

Luzerner Polizei

Darum gehts

  • An der Universitätsklinik wird die Droge Ayahuasca erforscht.

  • Diese psychedelische Droge soll aus psychotherapeutischer Sicht sehr wertvoll sein.

In Südamerika nutzen Schamanen den traditionellen Pflanzensud von Ayahuasca seit Jahrhunderten als Heilmittel bei spirituellen Ritualen. In einer Art Trancezustand, der mehrere Stunden anhält, könne man mit der Konsumation unter anderem seine emotionalsten Erinnerungen durchleben.

Unter kontrollierten Bedingungen können diese Substanzen laut Studien gewissen Patienten und Patientinnen bei schweren Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen helfen. Längerfristig hätten diese Personen häufig weniger Nebenwirkungen als durch die tägliche Einnahme klassischer Medikamente. Milan Scheidegger von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich erforscht die Wirkung von zwei Ayahuasca-Inhaltsstoffen aus genau diesen Gründen.

Sein Kollege Dario Dornbierer hat diese selbst im Labor aus Pflanzen isoliert und pharmazeutisch aufbereitet, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. «Es ist viel besser verträglich als das Ayahuasca aus dem Amazonasgebiet, weil es keine pflanzlichen Bitterstoffe enthält», sagt Scheidegger, der im Rahmen von Studien bisher bei insgesamt 44 gesunden Männern das neue Präparat untersucht hat.

Nicht ungefährlich

Diese psychedelische Droge könne allerdings auch negative Erlebnisse hochspülen und nicht ungefährliche Horrortrips auslösen. Später könnten Konsumentinnen und Konsumenten dadurch Mühe haben, das Erlebte zu verarbeiten. Laut Scheidegger kann aus psychotherapeutischer Sicht eine massvolle Selbstkonfrontation jedoch durchaus wertvoll sein. Wer sich bewusst seinen intimsten Gefühlen hinwendet, hat dadurch eventuell die Chance, diese neu zu bewerten und einzuordnen.

Bisher gab es umfangreichende Tests mit gesunden Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren. Momentan bereitet sein Team auch erste klinische Studien mit Patienten und Patientinnen vor, die an Ängsten und Depressionen leiden.

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