Psychische Gesundheit: Unis schlagen Alarm – immer mehr Studierende brauchen Hilfe 
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Psychische GesundheitUnis schlagen Alarm – immer mehr Studierende brauchen Hilfe 

Inflation, die Nachwirkungen von Corona und der Ukraine-Krieg setzen Studierenden zu:  Noch nie verzeichneten Universitäten so viele Studierende, die psychische Hilfe brauchen. 

von
Chantal Gisler
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Psychologische Beratungsangebote waren in den letzten fünf Monaten sehr gefragt bei Studierenden. 

Psychologische Beratungsangebote waren in den letzten fünf Monaten sehr gefragt bei Studierenden. 

20min/Marco Zangger
Die Psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und der ETH Zürich verzeichnet mehr Anfragen. 

Die Psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und der ETH Zürich verzeichnet mehr Anfragen. 

20min/Marco Zangger
Die Psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und der ETH Zürich erfasst einen Anstieg von 11,8 Prozent bei den Anmeldungen. 

Die Psychologische Beratungsstelle für Studierende der Universität Zürich und der ETH Zürich erfasst einen Anstieg von 11,8 Prozent bei den Anmeldungen. 

20min/Marco Zangger

Darum gehts

Plötzlich geht es nicht mehr: Das Aufstehen fällt schwer, obwohl der Körper fit ist. Eine psychische Blockade macht das Aufstehen und Weitermachen unmöglich. Das Studium wird zum Kampf. So fühlen sich immer mehr Studierende in der Schweiz. Die Coronamassnahmen sind schon eine Weile abgeschafft, trotzdem hallen die Auswirkungen der Isolation nach. Das sagt Markus Diem, Leiter der Studienberatung an der Universität Basel: «Die Studienberatung hatte noch nie so viele Beratungen in den ersten fünf Monaten wie dieses Jahr.»

Der Trend habe sich schon während Corona gezeigt: «Die Nachfrage nach psychologischen Beratungen hat sich in der letzten Jahresstatistik von 300 Konsultationen vor Corona auf 600 verdoppelt», sagt Diem. Und das sei kein lokales Problem: «Die gleiche Erfahrung machen alle Schwesterstellen in der Schweiz und in Deutschland, mit denen ich mich austausche.» Auch bei den beiden Zürcher Unis schlägt sich das in den Zahlen nieder: Von 2020 auf 2021 kamen fast zwölf Prozent mehr Studierende auf sie zu. 

Hattest du auch eine psychische Krise?

Alles verändert sich – das überfordert

Woran liegt das? Markus Diem erklärt: «Der Hauptgrund ist Corona. Die Studierenden mussten sich ihre Struktur plötzlich selbst aufbauen, selbst einteilen, wann sie wie viel machen. Das klappt nicht bei allen und dann steigt der Druck.» Alleine eine Struktur zu finden, sei schwierig, vor allem, wenn man sich nicht mit anderen Studierenden austauschen könne. «Wir haben Bachelor-Studenten, die kurz vor Corona ihr Studium begonnen haben, noch nie am Campus waren und ihre Mitstudierenden nicht kennen. Sie fühlen sich alleine und das kann sich negativ auf die Psyche auswirken.»

Dazu kommen Fälle von Long Covid, das sich ebenfalls auf die Psyche auswirkt: Man hat schneller keine Energie mehr, fühlt sich schlapp, dauererschöpft. «Die Grenze zwischen Long Covid und einer psychischen Krise ist schwierig zu definieren», sagt Markus Diem. «Aber wir stellen fest, dass die meisten seit der Öffnung nach den Coronamassnahmen zu uns kommen.»

Ein weiterer Faktor ist der Ukraine-Krieg. «Die Ereignisse stellen die Weltordnung und die Ordnung in Europa fundamental infrage», so Diem. «Man weiss nicht, wie es weitergeht. Dazu kommt die Inflation, alles wird teurer. Das betrifft die Studierenden ebenfalls. Alles verändert sich und nichts ist mehr so, wie sie es kannten.»

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