Bahnhof Bern: Unisex-WCs erregen die Gemüter
Aktualisiert

Bahnhof BernUnisex-WCs erregen die Gemüter

Seit dem letzten Herbst gibt es im Berner Bahnhof ein Unisex-WC. Das kommt nicht bei allen gut an. Touristen sind verwirrt, Frauen verunsichert.

von
Sarah Forrer
Frauen und Männer müssen das gleiche WC benutzen.

Frauen und Männer müssen das gleiche WC benutzen.

«Nach der Arbeit habe ich mich oft auf den Toiletten im Bahnhof Bern für den Ausgang vorbereitet», sagt Lena Schmutz. Sie zahlte die zwei Franken, um sich ungestört zu schminken und die Kleider zu wechseln. Seit die Toiletten des Betreibers McClean umgebaut worden sind, zieht sie andere Orte vor. Der Grund: Männer und Frauen müssen ihr Geschäft Tür an Tür erledigen, ihre Hände im gleichen Lavabo waschen und sich im gleichen Spiegel betrachten. Nur noch das Pissoir ist räumlich abgetrennt. «Ich werde beim Schminken nicht gerne von Männern beobachtet. Ich fühle mich belästigt. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl», sagt Schmutz.

Nicht nur junge Frauen sind von den Unisex-Toiletten irritiert, auch Touristen sind vor den Kopf gestossen. «Für diesen Preis erwarten wir eigentlich schon getrennte Anlagen», sagt eine junge Kanadierin. Und ein älterer Engländer doppelt nach: «So etwas wäre bei uns nicht möglich.» Da seien die Toiletten strikt nach Geschlecht getrennt.

«Nach dem Umbau haben wir vereinzelte negative Rückmeldungen erhalten», erklärt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Dies habe sich mittlerweile gelegt. Beim Umbau im Herbst musste ein Teil der Toiletten einem Café und einem Warteraum weichen. Frey: «Früher hatten wir Luxusvarianten. Nun sind die WCs zweckmässig.»

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