Wegen Befangenheit: Unispital Basel muss Tote extern obduzieren lassen

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Wegen BefangenheitUnispital Basel muss Tote extern obduzieren lassen

Todesfälle von Patienten im Universitätsspital müssen künftig ausserhalb des Kantons untersucht werden. Das hat das Bundesgericht entschieden.

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Bundesgerichtliches Machtwort: Das baselstädtische Institut für Rechtsmedizin von Eva Scheurer (r.) darf nicht mehr Todesfälle des Unispitals rechtskräftig begutachten.

Bundesgerichtliches Machtwort: Das baselstädtische Institut für Rechtsmedizin von Eva Scheurer (r.) darf nicht mehr Todesfälle des Unispitals rechtskräftig begutachten.

Kein Anbieter/Juri Weiss/bs.ch

Bisher wurden Patienten, die im Unispital Basel verstarben und bei denen die Todesursache geklärt werden musste, vom Basler Institut für Rechtsmedizin obduziert. Das hat nun ein Ende, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt: In einem Urteil vom 17. Juni habe das Bundesgericht die Bemühungen der Basler Staatsanwaltschaft, diese Praxis fortzuführen, abgeschmettert. Der Grund dafür ist die Nähe des staatlichen Instituts zur Universität Basel. So verfüge dessen Chefärztin für forensische Medizin, Kathrin Gerlach, aufgrund der Verbindungen ihres Instituts zum Universitätsspital Basel-Stadt «nicht über die erforderliche Unabhängigkeit».

Gerlach und Institutsleiterin Eva Scheurer dozieren beide an der Uni. Wegen dieser Verbindung besteht laut einem vorangehenden Urteil des Appellationsgerichts, über das das die «BZ Basel» im Februar berichtet hatte, «zumindest der Anschein einer Befangenheit». So könne Gerlach «beim Schreiben von Gutachten Rücksicht auf hierarchisch höhergestellte Personen ihrer Fakultät nehmen», schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Widerstand in Basel

Die Basler Staatsanwaltschaft gab sich mit dem Urteil des Appellationsgerichts aber nicht zufrieden. Sie kämpfte weiter für diese in der Schweiz einzigartige Sonderlösung und zog vor die nächste Instanz. Das Bundesgericht sprach jetzt ein Machtwort: Das Unispital muss Todesfälle extern obduzieren lassen, wie es auch in allen anderen Kantonen der Fall ist.

Dabei habe das Bundesgericht schon 2011 externe Obduktionen in Basel verfügt, als die Witwe eines verstorbenen Patienten gegen das Universitätsspital geklagt hatte. Gerlach aber habe sich dem Auftrag nicht gefügt, da ihrer Meinung nach nichts dafür gesprochen habe, dass «die Regeln der ärztlichen Kunst» verletzt worden seien.

Urteil rechtskräftig

Durch das Urteil des Bundesgerichts wird die Basler Staatsanwaltschaft nun verpflichtet, für einen Todesfall aus dem Jahr 2012 eine Strafuntersuchung zu eröffnen. Zu diesem müsse auch ein externes Gutachten für die Untersuchung einer Herzklappen-Operation eingeholt werden, so die Zeitung.

Zwar dürften in den angeprangerten Fällen aus den Jahren 2011 und 2012 kaum neue Erkenntnisse ans Tageslicht gelangen, heisst es. Jedoch hätten die Kläger erreicht, dass das Universitätsspital seine Todesfälle nicht mehr von seinen gewissermassen eigenen Leuten rechtskräftig begutachten lassen könne.

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