Pflegenotstand: Angestellte am Universitätspital Zürich bekommen mehr Lohn

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ZürichEnde der Pflegemisere? – Zürcher Spitäler heben Löhne um drei Prozent

Fünf Zürcher Spitäler wollen die Löhne ihrer Mitarbeitenden heben. Dies, um die Teuerung auszugleichen. Die Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass die Teuerung im Kanton Zürich höher ist, als die Anpassung. 

von
Erika Unternährer
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Das Unispital Zürich hebt ab 2023 die Löhne seiner Mitarbeitenden. 

Das Unispital Zürich hebt ab 2023 die Löhne seiner Mitarbeitenden. 

IMAGO

Darum gehts

  • Das USZ will ab 2023 die Löhne gemäss der aktuellen Teuerung von drei Prozent ausgleichen.

  • Für Mitarbeitende der Pflege, der medizin-technischen und medizin-therapeutischen Berufe sind strukturelle Lohnanpassungen vorgesehen.

  • Auch sollen sich diese Berufsgruppen ab 2023 ihre Überstunden auszahlen lassen können.

  • Die Gewerkschaft VPOD und der Berufsverband der der Pflegefachfrauen und -männer kritisieren, dass die Löhne nicht um 3,5 Prozent gehoben wurden. Dies entspräche nämlich der Teuerung im Kanton Zürich.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Teuerung im Oktober um drei Prozent gestiegen. Deshalb wolle das Universitätsspital Zürich (USZ) die Löhne seiner Mitarbeitenden heben und gewähre ihnen einen Teuerungsausgleich. 

Strukturelle Lohnanpassungen gebe es zudem auch für Mitarbeitende der Pflege und der medizin-technischen sowie medizin-therapeutischen Berufe (MTTB). Mitarbeitende dieser Berufsgruppen, die schon längere Zeit am USZ arbeiten, könnten so die Erfahrungsjahre angerechnet, und deren Löhne auf Marktniveau angehoben werden. Auch schenke das USZ seinem ganzen Personal einen zusätzlichen Ferientag.

Bezahlte Überstunden und Schichtzulagen

Ab 2023 wird es den Berufsgruppen Pflege und MTTB zudem möglich sich seine Überstunden ausbezahlen zu lassen, so die Mitteilung. 

Im Verlauf des kommenden Jahres sind auch eine Erhöhung der Zulangen um 30 Prozent für Nacht-, Wochenend- und Pikettdienste, das Anrecht auf eine Woche unbezahlten Urlaub sowie verbesserte Verpflegungsmöglichkeiten ausserhalb der Bürozeiten vorgesehen. Auch wolle das USZ den Assistenzärztinnen und -ärzten ihre Erfahrungsjahre anrechnen.

Kispi erhöht als einziges Spital Löhne um 3,5 Prozent

Das Kantonsspital Winterthur (KSW)  hat ebenfalls Massnahmen zur Verbesserung der Anstellungsbedingungen kommuniziert. Neben der Lohnhebung um drei Prozent und einem zusätzlichen Ferientag, wolle das KSW ab dem 1. April 2023 die Umkleidezeit als Arbeitszeit anrechnen. In diesem Jahr habe das Spital bereits die Schichtzulagen wie auch die Löhne bei Pflegeberufen mit Nachdiplomstudiengang erhöht.  

Die Löhne ihrer Mitarbeitenden erheben auch die Psychiatrische Universitätsklinik PUK und die Intergrierte Psychiatrie Winterthur/ZH Unterland ipw. Gemäss einer Medienmitteilung der Gewerkschaft im Service Public VPOD Zürich ist das Kinderspital Zürich das einzige Spital, welches bei den Löhnen einen Teuerungsausgleich von 3,5 Prozent gewährt. Zudem würden die Schichtzulagen verdoppelt. «Ein erfreulicher Entscheid», so die VPOD.  

Teuerung im Kanton Zürich nicht drei, sondern 3,5 Prozent

Laut Kuno Betschart, Geschäftsführer Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) Sektion ZH/GL/SH, seien die von den Zürcher Spitälern kommunizierten Massnahmen erste Schritte, welche den Pflegenotstand verbessern können. Aber: «Der Kanton Zürich hat bei der Teuerung den Ausgleich von 3,5 Prozent beschlossen und nicht nur von drei Prozent.» Dies führe beim Personal trotz Verständnis für die enge finanzielle Situation zu «nachvollziehbarem Unmut».  

Die Betriebe würden für die geforderten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und die Umsetzung der Sofortmassnahmen finanzielle Ressourcen benötigen. Diese habe beispielsweise die Stadt Zürich mit ihrem Programm «Stärkung der Pflege» gesprochen. «Dies führt zu grossem Druck auf alle anderen Institutionen und Spitäler – wie das Beispiel USZ und KSW nun zeigt», so Betschart.

Weitere Forderungen kommuniziert der SBK in seinem Positionspapier. So sollen des weiteren bei ungeplanten Einsätzen die Zeitgutschriften verdoppelt und die Nachtdienste für Mitarbeitende über 60 Jahre freiwillig werden. Weiter stehen auf der Liste unter anderem der Wunsch nach neuen, flexiblen Arbeitszeitmodellen, und die Forderung einer selbstständigen Abrechnung von Pflegeleistungen. 

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