Unsicherheit um Corona-Impfung – Junge fürchten um ihre Termine
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Basel-StadtUnklarheiten bei Anmeldung – junge Impfwillige fürchten um ihre Termine

Im Kanton Basel-Stadt wird so schnell gegen Corona geimpft, dass schon die nächste Prioritätengruppe drankommt. Der Fortschritt bringt aber auch Probleme mit sich.

von
Steve Last
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Junge Impfwillige im Kanton Basel-Stadt sind verunsichert. Einige befürchten, dass sie trotz Termin keine Impfung bekommen.

Junge Impfwillige im Kanton Basel-Stadt sind verunsichert. Einige befürchten, dass sie trotz Termin keine Impfung bekommen.

Tamedia/Raphael Moser
Am Mittwoch schrieb Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, auf Twitter. Sie versichert, dass kein Fehler im System erkannt werden konnte.

Am Mittwoch schrieb Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, auf Twitter. Sie versichert, dass kein Fehler im System erkannt werden konnte.

Screenshot Twitter
Dass viele gesunde, junge Impfwillige bereits Impftermine bekommen, während einige ältere noch warten müssen, liege daran, dass sie angegeben haben, engen Kontakt mit besonders gefährdeten Personen zu haben.

Dass viele gesunde, junge Impfwillige bereits Impftermine bekommen, während einige ältere noch warten müssen, liege daran, dass sie angegeben haben, engen Kontakt mit besonders gefährdeten Personen zu haben.

Screenshot Twitter

Darum gehts

  • Wird einem die Impfung verweigert, wenn man bei der Registrierung einen Fehler gemacht hat?

  • Junge Impfwillige, die bereits einen Termin haben, sind verunsichert.

  • Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt erklärt die Situation.

Der Kanton Basel-Stadt ist gemäss Impfplan nun dabei, Termine an Erwachsene zu vergeben, die enge Kontakte zu besonders gefährdeten Personen haben (Gruppe 3). Vier der fünf Gruppen der besonders Gefährdeten (1a bis 1d) sind demnach geimpft, 1e noch dran. Gesundheitspersonal (Gruppen 2a und 2b) wird separat geimpft. Das ist eigentlich ein erfreulicher Fortschritt, doch bei der Reihenfolge der Impftermine ist etwas schiefgegangen.

So weiss 20 Minuten von einem gesunden 32-Jährigen, der bereits beide Impftermine hat. Es gibt aber auch registrierte Personen höherer Altergruppen, die noch kein Datum bekommen haben. Das sorgt vor allem bei jüngeren Impfwilligen für Verunsicherung. So kursiert etwa auf Instagram eine Story, in der behauptet wird, Personen seien im Impfzentrum abgewiesen worden. «Ich habe nächste Woche einen Termin und habe Jahrgang 98 (1998, nicht 1898, sonst könnte ich es noch verstehen)», schreibt der User. Er befürchtet, weggeschickt zu werden.

Verwirrung um Impfgruppen

Bereits am Mittwoch meldete sich Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt (GD), auf Twitter zu Wort. «Wir haben nun einige Rückfragen erhalten von jüngeren und ganz jungen Impfwilligen», schreibt sie. Man habe die Personen überprüft und festgestellt, dass sie alle angegeben haben, enge Kontakte zu besonders gefährdeten Personen zu haben.

Wer zum Beispiel mit jemandem im selben Haushalt wohnt, der immunsupprimiert ist, oder Partner einer Schwangeren ist, ist richtig. Wer ab und zu seine Eltern, welche hohen Blutdruck haben, oder das Grosi besucht, war nicht gemeint.

Anne Tschudin auf Twitter

Wer nun ein schlechtes Gewissen habe und seinen Termin einer älteren Person überlassen möchte, könne ihn stornieren und sich neu registrieren. Sie betont, dass niemandem unterstellt wird, bewusst falsche Angaben gemacht zu haben.

«Vertrauen den Menschen»

Anne Tschudin dementiert auf Anfrage von 20 Minuten entschieden, dass Personen im Impfzentrum abgewiesen werden. «Das tun wir nicht», sagt sie. Es sei für die Impfwilligen vor Ort gar nicht möglich nachzuweisen, ob sie tatsächlich engen Kontakt zu gefährdeten Personen haben. «Wir vertrauen darauf, dass die Leute ehrlich sind», so die Sprecherin.

Laut ihr ist es auch nicht zu einem Systemfehler gekommen. Das GD habe bei der Überprüfung einiger Fälle festgestellt, dass die gemachten Angaben Sinn ergeben, sie aber nicht im Sinne der Impfkategorien richtig sind. «Einige meinten tatsächlich ihre Eltern oder Grosseltern», sagt Tschudin. Sie alle hätten bei der Frage zu engem Kontakt mit besonders gefährdeten Personen aber Ja gewählt.

Ähnliches Problem in Zürich

Im Kanton Zürich kam es zu einem ähnlich gelagerten Problem, das allerdings noch Kollateralschäden mit sich zog. So hatten Personen bei der Impfregistrierung angegeben, an chronischen Krankheiten zu leiden, und anschliessend fieberhaft bei Hausärzten die erforderlichen Atteste gefordert.

Im «Tages-Anzeiger» hatte Josef Widler, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, das Problem beim Impfportal des Kantons erkannt. Anhand der Informationen sei es für Laien unmöglich gewesen, festzustellen, welche chronischen Erkrankungen eine vorgezogene Impfung begründen. Im Kanton Basel-Stadt ist ein vergleichbares Problem mit dem Ausdruck «enger Kontakt zu besonders gefährdeten Personen» denkbar.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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