Ferienkrankheiten: Unliebsame Mitbringsel
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FerienkrankheitenUnliebsame Mitbringsel

Sie sind unangenehm, schmerzhaft oder sogar tödlich: Souvenirs, die Touristen in Form von Krankheiten aus dem Urlaub mit nach Hause bringen. 20 Minuten Online sprach mit einem Experten über Behandlungsmöglichkeiten und Verhaltensregeln, wenn nicht nur der bevorstehende Alltagstrott für ein flaues Gefühl im Magen verantwortlich ist.

von
Runa Reinecke

Vorbeugen ist besser als heilen – eine Volksweise, die immer noch zutrifft. Ganz besonders, wenn es um den Besuch ferner Länder geht, in denen man auf fremde (Bakterien-)Kulturen und ein Sammelsurium bedrohlicher Viren trifft. Das Tückische: Nicht immer macht sich eine Infektion schon an Ort und Stelle bemerkbar – wenn es sich nicht gerade um einen harmlosen Reisedurchfall handelt. Oft sind die Urlaubserinnerungen längst verblasst, wenn die ersten Symptome auftreten. Dies trifft insbesondere auf die Malaria zu: «Die Inkubationszeit kann mehrere Monate betragen», sagt Prof. Robert Steffen von der Universität Zürich. Der Leiter für Epidemiologie und Prävention übertragbarer Krankheiten des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin rät vor allem Touristen, die ohne optimale Prophylaxe aus einem Malaria-Risikogebiet heimkehren, besonders achtsam zu sein. «In diesem Falle ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen und eine Blutanalyse durchführen zu lassen.»

Impfung oder Prophylaxe nicht vergessen!

Wer aus «Malaria-Hochburgen» wie Afrika, Mittel- und Südamerika und fast alle asiatischen Länder einreist und weder vor noch während der Reise eine Malaria-Prophylaxe eingenommen hatte (in seltenen Fällen kann die Krankheit trotz Prophylaxe ausbrechen), sollte sich bei plötzlich auftretendem Fieber unbedingt innerhalb von 24 Stunden in medizinische Obhut begeben. Die Malaria kann unbehandelt tödlich verlaufen – ansteckend ist sie in unseren Breitengraden allerdings nicht: Die Viren werden ausschliesslich von der Anopheles-Mücke übertragen.

Hepatitis: Hygiene ist oberstes Gebot

Ganz im Gegensatz zu einem weiteren, höchst unerfreulichen Reiseandenken: Der Hepatitis A. Sie ist weitverbreiteter als die Hepatitis B, dafür ist ihr Krankheitsverlauf weniger gravierend. Sie heilt meist von selbst aus und kann höchstens für Senioren ab einem Alter von etwa 60 Jahren gefährlich werden - verläuft aber nur im Einzelfall tödlich. Genau wie die Malaria wird auch die Hepatitis durch Viren übertragen. Hier ist das Infektionsrisiko sehr gross, weil die Viren von Mensch zu Mensch (zum Beispiel durch Austausch von Körperflüssigkeit) oder durch mangelnde Hygiene (zum Beispiel auf dem WC) übertragen werden. Während die Malaria ausschliesslich Fernreisende betrifft, wird die Hepatitis bei Tunesien-, Marokko- oder beispielsweise Türkei-Urlaubern relativ häufig diagnostiziert.

Zu den Infektionsquellen gehören allgemein mangelnde Hygiene, ungewaschenes Obst- und Gemüse oder roher Fisch und rohes Fleisch.

Damit es weder während noch nach den Ferien zu einer bösen Überraschung kommt, rät Prof. Steffen, sich vor der Reise gut zu informieren, gegebenenfalls impfen (vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt) zu lassen oder eine geeignete Prophylaxe einzunehmen. Ausserdem gehören Mückensprays gegen lästige Blutsauger mit ins Reisegepäck. Und ein flüchtiges «Urlaubsabenteuer» sollte auf gar keinen Fall ohne Kondome geplant werden – die bislang einzige zuverlässige Prophylaxe gegen eine Infektion mit dem HI-Virus.

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