Chile: Unmut staut sich an
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ChileUnmut staut sich an

Die 33 verschütteten Bergarbeiter in Chile müssen sich finanziell keine Sorgen machen. Für die anderen 1167 Mitarbeiter der konkursiten Mine sieht es weniger rosig aus.

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Hunderte von arbeitslosen Bergarbeitern versammelten sich am Mittwoch vor dem Eingang der Kupfermine San José, in der 33 ihrer Kollegen seit 48 Tagen verschüttet sind. Sie kamen, wie schon in den Wochen zuvor, um die Angehörigen der Eingeschlossenen zu unterstützen. Doch ihr Besuch hatte auch eine andere Absicht: Sie kamen diesmal, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Seit dem Unglück am 5. August sind die 1200 Angestellten des Unternehmens San Esteban, zu der die Mine gehört, auf die Strasse gestellt worden. Die Besitzer hatten von Anfang an klipp und klar gesagt, sie müssten bei Gewinnausfall die Mine schliessen und die Arbeiter entlassen. Und so kams.

Zumindest für die Familien der Verschütteten ist gesorgt. Jetzt, zwei Monate nach dem Unfall, werden sie vom Staat und privaten Stiftungen unterstützt. Auch die 33 Männer, die im Schutzraum auf ihre Rettung warten, müssen sich nach ihrer Bergung wenig Zukunftssorgen machen. Von überall her strömen Jobangebote. Düster schaut es vor allem für die Glücklichen aus, die vom Unglück nicht betroffen sind.

Stimmung kippt

«Wir suchen nach einer Lösung für unser Problem», schrieben sie in einem Brief, den sie persönlich der Frau des verschütteten Mario Gomez übergaben. Sie würden weiterhin die Rettungskampagne unterstützen, versicherten sie Lilian Ramirez, aber sie seien verzweifelt. «Den letzten Lohn haben wir noch erhalten, aber wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir hatten bereits einige Jobinterviews, haben aber noch keinen Bescheid erhalten.»

«Wir verbringen unsere Tage zuhause und warten. Wir sind alle aus der Region Copiapó und wünschen uns eine neue Stelle hier», erklärte Richard Jorqueta, ein ehemaliger Schichtkollege des verschütteten Omar Reygada gegenüber der Tageszeitung «El Mundo». Die Jobbörse mit über 1000 Angeboten, die die Regierung vor zwei Wochen angekündigt hatte, bezeichnete er als «Farce».

«Krank, wie sie sind, werden sie nicht angestellt»

«Die meisten von uns haben über zehn Jahre Erfahrung im Beruf und sind schon über 45, und sie verlangen von uns, dass wir uns einem Eignungstest unterziehen.» Die meisten Männer würden unter Silikose - Gesteinstaubkrankheit - leiden, sagt er. «Krank, wie sie sind, werden sie nicht angestellt.» Dazu kommt, dass sie ihre Dienstalterprivilegien verlieren würden.

Sollten ihre Bitten nicht erhört werden, würden sie vor der Mine protestieren, drohen die Kumpel. «Wir werden Druck machen und erwarten eine Antwort. Wir leben in Ungewissheit», sagt Reygada. Und kündigt den Kampf an: «Mal sehen, wie weit wir kommen.»

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