Aids: UNO begrüsst Kondom-Aussage des Papstes
Aktualisiert

AidsUNO begrüsst Kondom-Aussage des Papstes

Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche die Nutzung von Präservativen in Einzelfällen für erlaubt erklärt habe, ist für die UNO ein «entscheidender und positiver Schritt nach vorn».

Der Papst hat das Benutzen eines Kondoms unter Umständen für angebracht erklärt.

Der Papst hat das Benutzen eines Kondoms unter Umständen für angebracht erklärt.

Das UNO-Programm gegen Aids (UNAIDS) hat die Aussagen von Papst Benedikt XVI. zum Gebrauch von Kondomen gewürdigt.

«Dieser Schritt erkennt an, dass ein verantwortungsvolles Sexualverhalten und der Gebrauch von Kondomen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von HIV spielen», hiess es in der am Sonntag in Genf veröffentlichten Erklärung von UNAIDS-Chef Michel Sidibe.

Er habe im Jahr 2009 weitreichende Diskussionen mit dem Vatikan zur Vorbeugung von HIV und Aids geführt, erklärte er. «Gemeinsam können wir eine Welt ohne neue HIV-Infektionen und ohne Diskriminierung schaffen.»

Benedikt XVI. hatte in Interviews, die am Mittwoch in Form eines Buches erscheinen, gesagt, wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr mit dem HI-Virus zu verringern, könne der Einsatz von Kondomen in «begründeten Einzelfällen» erlaubt sein. (sda)

«Das Maximum an Liberalität»

Georg Schmid*, ist im Vatikan die Liberalisierung ausgebrochen?

Ein Öffnungsschritt wäre schön, für eine Modernisierung müsste aber ein liberalerer Theologe Papst werden. Ich denke, diese Lockerung wird wohl das Maximum an Liberalität sein, das unter dem derzeitigen Papst zu erwarten ist.

Woher kommt dieser Gesinnungswandel des Papstes?

Das Kondom-Verbot schadet der Kirche an den Orten, wo sie derzeit am meisten wächst – in Afrika und Asien, in Ländern, die von Aids am stärksten betroffen sind. Die Wachstumsgegenden gilt es besonders zu pflegen, genau das tut der Papst auch mit dieser Aussage.

Fundamentalisten reagierten heftig – droht dem Papst von diesen Kreisen nun Gefahr?

Ich denke nicht. Er hat es taktisch so gut formuliert, dass innerhalb der katholischen Kirche keine grossen Widerstände zu erwarten sind. Hätte er allerdings die Verhütung erlaubt, dann wäre der Wirbel wohl gross und es hätte gar zu Abspaltungen kommen können.

* Georg Schmid ist Religionswissenschaftler

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