Aktualisiert 14.07.2012 16:22

Syrien-KriseUNO-Beobachter besichtigen Massaker-Ort

Eine Gruppe von UNO-Beobachtern hat die syrische Ortschaft Tremseh besucht. Dort war es am Donnerstag zum bisher grössten Massaker seit Beginn des Aufstands im ganzen Land gekommen.

Am Samstag hat eine Gruppe von UNO- Beobachtern die syrische Ortschaft Tremseh besucht, wo es am Donnerstag zum bisher grössten Massaker seit Beginn des Aufstands im ganzen Land gekommen war. Mindestens 150 Menschen sollen dabei getötet worden sein. Ein Konvoi von elf UNO-Fahrzeugen sei in die Stadt gefahren, um die Berichte zu dem Massaker zu überprüfen, sagte Sprecherin Sausan Ghosheh von der UNO-Beobachtermission am Samstag.

Berichten zufolge handelte es sich bei den meisten Opfern in Tremseh um Aufständische, die zuvor einen Armeekonvoi angegriffen hatten. Aktivisten sprachen von dutzenden Rebellen, die in der mehrheitlich sunnitischen Kleinstadt erschossen worden seien. Zahlreiche Zivilisten seien zudem beim Versuch, über die Felder zu entkommen, getötet worden. Neben der Armee sollen auch Milizen aus nahegelegenen alawitischen Dörfern beteiligt gewesen sein.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat das syrische Regime von Präsident Baschar Assad scharf angegriffen und das mutmassliche Massaker als versuchten «Völkermord» bezeichnet. Das syrische Volk werde dafür sorgen, dass die Regierung für Massaker wie die mutmassliche Tötung von Dutzenden Menschen in dem syrischen Bauerndorf bezahle, sagte Erdogan am Samstag. Derartige Gewalttaten seien «die Spuren eines Regimes, das vor dem Ende steht», sagte der türkische Regierungschef.

Ban Ki Moon appelliert an Staatengemeinschaft

Nach dem Massaker forderte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Staatengemeinschaft eindringlich zum Handeln auf. Sollte der UNO- Sicherheitsrat den Druck auf die Führung in Damaskus nicht erhöhen, wäre dies eine «Lizenz für weitere Massaker», warnte Ban am Freitag (Ortszeit New York).

Syrien bestritt unterdessen über seine staatliche Nachrichtenagentur die Verübung eines weiteren Massakers an der Zivilbevölkerung. Beim Angriff in Tremseh habe es sich um einen Sondereinsatz bewaffneter Streitkräfte gehandelt, der sich gegen Mitglieder einer terroristischen Gruppe gerichtet habe, meldete Sana am Samstag unter Berufung auf Militärkreise.

Der Einsatz am Donnerstag sei erfolgreich verlaufen. Es habe keine zivilen Opfer gegeben. Es seien aber tote Zivilisten gefunden worden, die von terroristischen Gruppen umgebracht worden seien. Details dazu nannte Sana nicht.

Allerdings wurde in dem Bericht betont, der Einsatz sei eine Reaktion auf Bitten der Einwohner von Tremseh gewesen, die «diversen kriminellen Taten, verübt von bewaffneten terroristischen Gruppen» ausgesetzt gewesen seien.

Armee greift weiter an

Die Kämpfe in Syrien gingen auch am Samstag mit unverminderter Härte weiter. In der überwiegend christlichen Ortschaft Mahradeh kamen nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte bei einer Explosion mindestens vier Menschen ums Leben.

Unter den Toten seien zwei Frauen und ein 13 Jahre alter Junge, das andere Opfer sei ein Mitglied der Sicherheitskräfte gewesen. Der Sprengsatz detonierte den Angaben zufolge vor einem Gebäude des Militärgeheimdienstes. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen sei explodiert. Mahradeh gehört zur gleichen Region wie das sunnitische Dorf Tremseh in der unruhigen Provinz Hama.

In der Rebellenhochburg Homs töteten Regierungstruppen am Samstag offenbar mindestens 19 Menschen, wie Aktivisten berichteten. In der südlichen Provinz Daraa hätten Hunderte Soldaten, begleitet von Kampfhelikoptern und gepanzerten Fahrzeugen, die Rebellenhochburg Khirbet Ghasaleh angegriffen. Auch aus Hama wurden Explosionen und Feuergefechte gemeldet.

Auch britische Meldungen über Chemiewaffen

Der britische Sender Sky News berichtete unter Berufung auf britische Geheimdienstmitarbeiter, syrische Streitkräfte hätten Chemiewaffen nach Homs transportiert.

Nach früheren Angaben des «Wall Street Journal» wurde in Syrien damit begonnen, Chemiewaffen aus den Lagern zu holen. Damaskus besitze grössere Mengen des Nervenkampfstoffes Sarin und Senfgas. (sda)

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