Aktualisiert 01.10.2010 14:13

Völkermord in Ruanda

UNO-Bericht: «Böse und gefährlich»

Ruanda hat einen Untersuchungsbericht der UNO kritisiert, in dem der ruandischen Armee schwere Verbrechen gegen Angehörige der Hutu in der Demokratischen Republik Kongo vorgeworfen werden.

Beota Ruhangera wurde 2007 vergewaltigt. Sie erholte sich danach im Spital von Goma.

Beota Ruhangera wurde 2007 vergewaltigt. Sie erholte sich danach im Spital von Goma.

Die Vereinten Nationen haben am Freitag in Genf ihren Bericht zu Massenmorden im Kongo veröffentlicht. Darin werden mehr als 600 Zwischenfälle aus der Zeit zwischen 1993 und 2003 geschildert, die mehrere zehntausend Menschen das Leben kosteten. In dem mehr als 500 Seiten umfassenden Bericht wird empfohlen, dass die Regierung im Kongo und die internationale Gemeinschaft gemeinsam nach Wegen suchen, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und den Überlebenden zu helfen.

Ruanda und Uganda reagierten verärgert auf den Bericht. Sie fürchten Forderungen nach einer Untersuchung zu der Frage, ob sich ruandische Truppen und andere im Kongo des Völkermordes schuldig machten.

Der UNO-Bericht sei «böse und gefährlich von Anfang bis Ende», erklärte das Aussenministerium in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Das Dokument sei eine «Beleidigung der Geschichte», wurde am Freitag Aussenministerin Louise Mushikiwabo in der Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP zitiert.

Mehr als 1200 Zeugen befragt

Für den Bericht wertete das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte mehr als 1500 Dokumente aus dem früheren Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, aus und befragte mehr als 1200 Zeugen.

Bereits ein Entwurf des Berichts führte zu Streit mit Ruanda. Kigali drohte, seine Friedenssoldaten aus der sudanesischen Bürgerkriegsregion abzuziehen. Die UNO verschob darauf die Veröffentlichung und bot den betroffenen Staaten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Diese Kommentare sollten der Endfassung des Dokuments angehängt werden.

Die Kommentare Ruandas seien der UNO übermittelt worden, erklärte Mushikiwabo. Durch das Dokument solle die Geschichte über den Völkermord in Ruanda umgeschrieben werden, kritisierte sie. (sda/dapd)

Der grosse Afrikanische Krieg im Kongo

Mit bis zu neun beteiligten Staaten gilt der offiziell 2003 beendete Bürgerkrieg im Kongo als der grösste militärische Konflikt Afrikas. 3,8 Millionen Menschen kamen dabei ums Leben.

Alles begann im Sommer 1996, als ruandische und später auch ugandische Truppen im Ostkongo einmarschierten, um den kongolesischen Rebellengeneral Laurent-Désiré Kabila beim Sturz von Mobutu Sese Seko, Herrscher im damaligen Zaire, zu unterstützen. Kabila marschierte im Mai 1997 in Kinshasa ein, ernannte sich selbst zum Präsidenten und überwarf sich kurz danach mit Ruanda und Uganda. Als ruandische Truppen sich auf den Weg nach Kinshasa machten, um Kabila zu stürzen, intervenierten Angola, Simbabwe und Namibia.

Der Osten des Landes, vor allem die rohstoffreichen Kivu-Provinzen, war bis 2002 von ruandischen Truppen besetzt. Sie zogen erst nach einem im südafrikanischen Pretoria unterzeichneten Friedensvertrag ab. Ruanda sah im Ostkongo sein historisches Interessengebiet und gab an, die kongolesische Tutsi-Bevölkerung vor Hutu-Milizen zu schützen, die nach dem Völkermord in Ruanda 1994 ins Nachbarland geflohen waren. Auch nach dem offiziellen Ende des Krieges setzen Regierungstruppen und Milizen den Konflikt im Ostkongo fort. Rund drei Millionen Menschen in der Konfliktregion mussten vor der Gewalt fliehen. (SDA)

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