Aktualisiert 26.07.2011 15:46

Dürre am Horn von Afrika

UNO beschliesst Aktionsplan gegen Hunger

Im Hinblick auf die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika hat nun auch die UNO reagiert. Sie will Soforthilfe, sowie vorbeugende Massnahmen starten.

Nach der schwersten Dürre seit 60 Jahren leiden die Menschen am Horn von Afrika an einer Hungersnot. Zehntausende starben bereits, über eine halbe Million Kinder ist vom Tod bedroht. Eine UNO-Konferenz beriet in Rom über Auswege und vorbeugende Massnahmen.

«Schnelles Handeln» sei geboten und auch noch möglich, hiess es am Montag in der Abschlusserklärung der Konferenz der UNO- Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO. Es bestehe immer noch «ein Zeitfenster», um die Hungernden zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen, ihre Existenzgrundlagen wiederaufzubauen.

In Ostafrika sind nach Schätzungen der UNO in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Sudan und Uganda rund 12 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. In Regionen im Süden Somalias herrscht schwere Hungersnot.

«Hungersnot der Kinder»

Insgesamt 2,23 Millionen Kinder sind gemäss des UNO- Kinderhilfswerks UNICEF akut mangelernährt. UNICEF-Direktor Anthony Lake sprach von einer «Hungersnot der Kinder».

Josette Sheeran, Chefin des UNO-Welternährungsprogramms WFP, sagte, viele Kinder hätten «weniger als 40 Prozent Überlebenschance». Die Not der Kinder in Somalia sei «das Schlimmste, was ich je gesehen habe».

In den Flüchtlingslagern habe sie Frauen getroffen, deren Kinder in ihren Armen gestorben seien. Andere hätten ihre Babys zurückgelassen und die «entsetzliche Entscheidung» treffen müssen, nur die stärksten Kinder zu retten, sagte Sheeran. Ab Dienstag will das WFP eine Luftbrücke für Kinder in die somalische Hauptstadt Mogadischu, im Osten Äthiopiens und im Norden Kenias einrichten.

Bewegungsfreiheit für Hirten

In Rom forderten die Experten und Politiker neben Soforthilfen auch langfristige Massnahmen, um den Hunger zu bekämpfen. Sie wollen, Hirten sowie Landwirten mit Viehzucht besondere Unterstützung zukommen lassen. Diese seien ein wichtiger Bestandteil der möglichen Nahrungsmittelsicherheit.

Im selben Kontext sei es auch entscheidend, die Bewegungsfreiheit der Hirten auch grenzübergreifend zu garantieren und abzusichern, hielt die Konferenz fest. Ebenso sei die Vertreibung von Menschen zu vermeiden. Bauern und Fischern müsse zur Selbsthilfe geholfen werden.

Wer zahlt?

Damit der Hunger auch langfristig bekämpft werden kann, muss die Weltgemeinschaft viel Geld aufwenden. Allein in den kommenden Monaten sind gemäss FAO-Direktor Jacques Diouf mindestens 1,6 Milliarden Dollar nötig. Nach Angaben der UNO in New York haben die 193 Mitgliedsländer erst die Hälfte der Summe versprochen.

Die Weltbank stellte am Montag 500 Millionen Dollar gegen die Hungerkrise bereit. Die EU-Kommission stockte am Wochenende ihre Hilfe für die Region um 60 Millionen auf 160 Millionen Euro auf. Bern wiederum stellte für die Bekämpfung der Hungersnot bereits vergangene Woche 4,5 Mio. Franken bereit.

Für die Hilfsorganisation Oxfam gibt es «keine Entschuldigung» mehr für die Weltgemeinschaft, nicht sofort grosszügig zu helfen. «Kein anderes Problem kann dringender sein als Millionen Menschen, die in Afrika dem Schreckgespenst des Hungers entgegensehen», erklärte Oxfam.

Dürre, Krieg, hohe Preise

Verantwortlich für die Hungersnot sind neben der Dürre auch Krieg und Konflikte sowie die hohen Preise für Lebensmittel. Besonders vom Hunger betroffen ist der Süden Somalias.

Das Land ist ein gescheiterter Staat; es hat seit zwei Jahrzehnten keine funktionierende Regierung mehr. Seit einigen Jahren kämpfen eine vom Westen unterstützte schwache Regierung von gemässigten Islamisten und sunnitischen Extremisten um die Macht.

Die Milizen der Al Shabab kontrollieren grosse Teile des Landes und Mogadischus. Sie bestreiten, dass es eine Hungersnot gibt und lassen viele Hilfsorganisationen nicht in ihr Gebiet.

In New York forderte der UNO-Sicherheitsrat am Montag für Somalia freie Fahrt für die Hungerhilfe. «Wir fordern von allen Parteien und bewaffneten Gruppen, entsprechende Schritte zu ergreifen, um Schutz und Sicherheit der Helfer und der Güter sicherzustellen», sagte der derzeitige Sicherheitsratspräsident, der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig. (sda)

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