Aktualisiert 19.11.2007 16:55

UNO-Experte kritisiert die Schweiz

Einen Tag vor dem internationalen Tag der Kinderrechte hat in Genf ein Experte der UNO das neue Schweizer Asylgesetz kritisiert. Dieses verstosse gegen die UNO- Kinderrechtskonvention, die die Schweiz unterzeichnet hat.

Jean Zermatten, Vize-Präsident des UNO-Komitees für Kinderrechte, sagte am Montag vor den Medien, dass die Schweiz beim Recht auf Familienzusammenführung für Ausländer einen Vorbehalt mache, sei nicht im Einklang mit der Konvention.

Jene Staaten, die die Konvention unterzeichnet haben, werden regelmässig vom UNO-Komitee unter die Lupe genommen. 2009 ist die Schweiz an der Reihe. «Sie wird sich bestimmt an den Ohren ziehen lassen müssen», sagte Zermatten.

Erfolgsgeschichte mit Makeln

An Zahlen gemessen ist die Kinderrechtskonvention international eine Erfolgsgeschichte: Seit ihrer Verabschiedung am 20. November 1989 haben 193 Staaten das Vertragswerk unterzeichnet. Einzig die Unterschriften der USA und Somalias fehlen.

In der Realität jedoch sind Kinder weiter der Willkür Erwachsener ausgeliefert. Diese behandelten Kinder wie Personen ohne Rechte.

«Ein Kind hat Rechte und muss diese auch kennen», sagte der Walliser, der auch Direktor des Internationalen Instituts für Kinderrechte ist. Er forderte, dass die Kinderrechte an den Schulen unterrichtet werden.

L'Arche de Zoé: alles falsch

Der UNO-Experte kritisierte ferner die französische Organisation «L'Arche de Zoé» für ihre «Kinderrettung» aus dem afrikanischen Tschad. Eine Adoption über Landesgrenzen hinweg sei eine individuelle Angelegenheit, sagte Zermatten.

«Man kann nicht vorgeben, Kinder retten zu wollen mit einer Massenaktion - mit oder ohne Einverständnis der Eltern». Dies sei «total falsch».

«L'Arche de Zoé» hatte 103 angebliche Waisen aus der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur via Tschad nach Frankreich zu Pflege- und Adoptionsfamilien «retten» wollen. Die tschadischen Behörden verhinderten dies in letzter Minute. Inzwischen wurde bekannt, dass die meisten Kinder aus dem Tschad stammten und noch Eltern haben.

Auch das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF zieht eine gemischte Bilanz aus 18 Jahren Kinderrechtskonvention: Weltweit würden jedes Jahr 1,2 Millionen Minderjährige in die Prostitution gezwungen, 1,5 Millionen Mädchen an ihren Geschlechtsorganen beschnitten und 250 000 Kinder als Soldaten missbraucht.

Fast 100 Millionen Kinder gingen nicht zur Schule und 220 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren müssten arbeiten. Selbst das Grundrecht auf Überleben sei nicht gesichert: Über 200 Millionen Kinder, die seit 1989 geboren wurden, starben vor ihrem fünften Geburtstag.

(sda)

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