Humanitäre Hilfe: UNO hilft eingekesselten Syrern
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Humanitäre HilfeUNO hilft eingekesselten Syrern

Nach einem Besuch der Sondergesandten Amos in der Stadt Homs intensiviert die UNO ihren Einsatz in Syrien. Sie bereitet eine Lebensmittelhilfe für 1,5 Millionen Menschen vor.

Die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos hat sich nach ihrem Besuch in der syrischen Stadt Homs erschüttert gezeigt. Das Viertel Baba Amro sei «vollständig zerstört», sagte Amos am Donnerstag vor Journalisten in Damaskus.

Amos hatte am Vortag die Stadt Homs kurz besuchen können. Die Nothilfebeauftragte ist die erste unabhängige Beobachterin, die von der Regierung von Baschar al-Assad nach Baba Amro gelassen wurde.

Das Blutvergiessen in Homs ging am Donnerstag weiter. Aktivisten berichteten, mindestens 42 Menschen seien seit Mittwoch in Baba Amro ermordet worden. Syrische Soldaten hatten das Viertel am 1. März in einer blutigen Offensive von Aufständischen zurückerobert.

UNO plant Nothilfe

Angesichts der andauernden Gewalt bereitet die UNO Lebensmittel- Nothilfe für 1,5 Millionen Menschen in Syrien vor. Die Lagerbestände würden entsprechend aufgestockt, sagte John Ging vom UNO-Büro zur Koordinierung für humanitäre Hilfseinsätze am Donnerstag in Genf.

Die Massnahme sei Teil eines auf 90 Tage angelegten Plans zur Unterstützung der Zivilbevölkerung. Die Kosten dafür werden mit 100 Millionen Dollar angegeben.

An der Konferenz zur humanitären Lage Syriens in Genf nehmen Vertreter der UNO-Mitgliedstaaten, von regionalen Organisationen, der Arabischen Liga, der EU, des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) sowie von Nichtregierungsorganisationen teil.

Die USA nahmen die Konferenz zum Anlass, eine Erhöhung ihrer humanitären Hilfe für Syrien um 2 Millionen auf 12 Millionen Dollar anzukündigen.

US-Präsident Obama schliesst inzwischen auch ein militärisches Vorgehen in Syrien nicht mehr aus. Obama lasse militärische Optionen prüfen, sagte Generstabschef Martin Dempsey am Mittwoch vor dem Streitkräfteausschuss des Senats.

Die verschiedenen Möglichkeiten seien aber noch nicht mit Obama direkt diskutiert worden, sondern mit seinem Team von Sicherheitsberatern. Auch gebe es noch keine Detailplanung.

Annan gegen militärische Intervention

Der UNO-Sondergesandte für Syrien, Kofi Annan, sprach sich dezidiert gegen gegen solche Vorhaben aus. Jede weitere Militarisierung des Konflikts würde die Lage nur verschlimmern, sagte Annan nach einem Gespräch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, am Donnerstag in Kairo.

Die Syrien-Krise könne nur im Land selbst gelöst werden, fügte er an. Im gleichen Sinn äusserte sich al-Arabi. Niemand wolle eine Wiederholung der Nato-Luftangriffe wie voriges Jahr in Libyen, sagte er.

Unterdessen lief der syrische Vize-Ölminister offenbar zu den Aufständischen über. In einem Youtube-Video erklärte Abdo Hussameddin, er trete zurück und schliesse sich der Revolution des Volkes an, «das die Ungerechtigkeit und die brutale Kampagne des Regimes zurückweist».

Hussameddin ist der bislang ranghöchste Funktionär, der sich vom Assad-Regime abwendet. Er wolle nach 33 Jahren Tätigkeit für die syrische Regierung nicht im Dienst eines «kriminellen Regimes» enden, sagte er zur Begründung.

Eine offizielle Bestätigung für den Seitenwechsel Hussameddin gab es zunächst nicht. Es ist unklar, ob das Video echt ist. Ein Aktivist, der das Video nach eigenen Angaben gedreht und ins Internet gestellt hatte, sagte der Nachrichtenagentur AFP in Beirut, die Opposition habe dabei geholfen, Hussameddins Übertritt zu organisieren. (sda)

«Lösung kann nur von innen kommen»

Die Syrien-Krise kann nach Ansicht des UNO-Sondergesandten Kofi Annan nur im Land selbst gelöst werden. Eine Militärintervention wie in Libyen sei keine Option, sagte Annan nach einem Gespräch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, am Donnerstag in Kairo

Annan, der zum gemeinsamen Syrien-Gesandten der Liga und der Vereinten Nationen ernannt worden war, wird an diesem Samstag in Damaskus erwartet. Er will sich nach eigenen Angaben auf drei wesentliche Punkte konzentrieren: Ein Ende der Gewalt, Zugang für humanitäre Hilfe und der Beginn eines Prozesses für eine politische Lösung.

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