Aktualisiert 21.03.2011 15:54

LibyenUNO soll Bombardierungen stoppen

Frankreich und Grossbritannien arbeiten offenbar daraufhin, bei der UNO eine Flugverbotszone über Libyen durchzusetzen. Das würde den Rebellen Auftrieb geben.

Die Lage am Samstagmorgen

Die Lage in dem von bürgerkriegsähnlichen Kämpfen erschütterten Libyen ist unübersichtlich. Staatschef Muammar al-Gaddafi versucht mit aller Macht, von Aufständischen gehaltene Städte zurückzuerobern - je näher an Tripolis sie liegen, desto heftiger die Kämpfe.

Allein in der Stadt Al-Sawija sollen am Freitag nach unterschiedlichen Berichten bis zu 50 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Kämpfe hielten bis zum Abend an.

Die Lage war unübersichtlich, beide Seiten gaben an, die Stadt rund 50 Kilometer westlich von Tripolis zu kontrollieren. Al-Sawija ist die westlichste libysche Stadt, in der Gegner Gaddafis den Aufstand proben.

Kampf um mehrere Städte im Osten

Weitere Gefechte wurden auch aus dem weitgehend von Aufständischen kontrollierten Osten des Landes gemeldet. Regierungstruppen griffen erneut mehrere Stellungen der Aufständischen an. Wie ein Arzt in Benghasi sagte, hätten die Truppen Gaddafis in Al-Brega auch Panzer und Helikopter eingesetzt.

In der benachbarten Stadt Adschdabija hätten sie aus der Luft ein Munitionsdepot und einen Versammlungsort von Aufständischen bombardiert. 18 Menschen seien getötet worden. Von anderer Seite konnte dies nicht bestätigt werden.

Schwere Kämpfe wurden auch aus dem rund 660 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Ölhafen Ras Lanuf gemeldet, der noch von Gaddafis Truppen gehalten wird. Auch dort soll es viele Todesopfer gegeben haben.

Explosion eines Munitionsdepots

Bei Explosionen in einem Munitionsdepot in der Aufständischen- Hochburg Benghasi im Osten Libyens kamen Berichten zufolge am Freitagabend mindestens zwölf Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Die Explosionsursache war zunächst unklar.

Am Freitag war es nach dem Mittagsgebet auch in der von Sicherheitskräften stark gesicherten Hauptstadt zu Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern des Staatschefs gekommen. Die Polizei ging nach Angaben von Augenzeugen mit Gummigeschossen und Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Gaddafi verliert Unterstützung

Inzwischen wenden sich immer mehr Funktionäre vom Gaddafi-Regime ab. Wie aus gut informierten Kreisen in Tripolis verlautete, schlugen sich die Sicherheitschefs der Städte Misrata, Sebha, Adschdabija, Benghasi und Tripolis auf die Seite der Aufständischen.

Auch mehrere hochrangige Offiziere des Militärgeheimdienstes, der Luftwaffe und diverser Polizei-Spezialeinheiten hätten Gaddafi den Rücken gekehrt.

Internet lahmgelegt

Verlässliche Berichte aus Libyen sind jedoch weiterhin Mangelware. Unterdessen hat das Regime in Tripolis offenbar auch den Zugang zum Internet komplett gesperrt. Laut dem US- Sicherheitspezialisten Arbor Networks wurde seit Freitagabend keinerlei Internetverkehr mehr von oder nach Libyen verzeichnet.

Gaddafi versuchte unterdessen bei der UNO in New York einen neuen Botschafter einzusetzten. Der ehemalige Aussenminister Ali Abdussalam Treki soll Mohammed Schalgham ersetzen, der sich zusammen mit seinem Stellvertreter und der restlichen UNO-Delegation vom libyschen Machthaber losgesagt hatte.

Flucht aus Libyen

Unterdessen laufen in Tunesien die Hilfsmassnahmen für Libyen- Flüchtlinge auf Hochtouren. Die USA, Kanada und mehrere europäische Staaten haben Flugzeuge und Schiffe bereitgestellt, um geflohene Gastarbeiter in ihre Heimatländer zurückzubringen.

Während bis Mittwoch gemäss UNO-Angaben 200 000 Menschen, vor allem Gastarbeiter, dem Bürgerkrieg in Libyen nach Tunesien und Ägypten entfliehen konnten, kamen am Donnerstag und Freitag nur noch einige Tausend.

Gemäss der UNO hindern Gaddafi-treue Truppen die Menschen an der Flucht. «An der Grenze sind auf der libyschen Seite jetzt schwer bewaffnete Regierungstruppen stationiert», sagte eine Sprecherin des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR). Auch die Rebellen hätten Flüchtlinge schikaniert, vor allem Menschen aus Ostafrika, weil sie diese für Söldner Gaddafis hielten.

(sda/dapd)

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