UNO-Tribunal: Haradinaj ist kein Kriegsverbrecher
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UNO-Tribunal: Haradinaj ist kein Kriegsverbrecher

Der einstige Untergrundkämpfer und ehemalige Regierungschef des Kosovo, Ramush Haradinaj, ist vom UNO- Kriegsverbrechertribunal freigesprochen worden.

Die Richter sahen es am Donnerstag nicht als erwiesen an, dass der 39-Jährige als Feldkommandant der UCK Ende der 90er Jahre für Mord, Folter und Vergewaltigungen verantwortlich gewesen sein soll. Die Anklage hatte zuvor 25 Jahre Haft gefordert. Neben Haradinaj standen zwei Mitangeklagte vor Gericht.

Haradinaj, einst Hoffnungsträger vieler Kosovaren, war 2005 nach wenigen Monaten im Amt als Regierungschef zurückgetreten, als die Anklage gegen ihn erhoben wurde. Er ist der ranghöchste Ex-UCK- Kommandant, der sich wegen Kriegsverbrechen verantworten musste. Im Kosovo galt er auch während des Prozesses als einflussreiche Figur, die hinter den Kulissen die Fäden zieht.

Der von vielen Kosovo-Albanern als Held verklärte Haradinaj ist der ranghöchste Kosovare, den das Gericht in Den Haag anklagte. Mit ihm standen der UCK-Kommandant Lahi Brahimaj und der ehemalige Chef der berüchtigten Sondereinheit Schwarze Adler, Idriz Balaj, vor Gericht. Balaj wurde ebenfalls freigesprochen.

Brahimaj, der ein Gefangenenlager in Jablanica führte, wurde wegen Folter und Misshandlung von Häftlingen zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Viele potenzielle Zeugen hatten aus Angst in dem Prozess eine Aussage verweigert. Rund 20 Menschen wollten zunächst nicht vor Gericht erscheinen, bevor das Tribunal sie schliesslich zur Aussage verpflichtete. Viele beschwerten sich über Einschüchterungsversuche.

Waffenschmuggel aus der Schweiz

Die albanische UCK hatte mit Waffengewalt die serbische Herrschaft über der Kosovo bekämpft. Haradinaj, der im jugoslawischen Militär Offizier war, soll bereits 1994 von seinem Exil unter anderem in der Schweiz aus Waffen in der Kosovo geschmuggelt haben.

Nach seiner Rückkehr 1998 stieg er schnell zum Kommandant der Untergrundorganisation auf. 1999 griff die Nato in den Krieg ein, danach büsste die Regierung in Belgrad de facto die Macht über der Kosovo ein. (sda)

Kosovos erster Aussenminister

Die Regierung des Kosovo hat ihren ersten Aussenminister ernannt. Der derzeitige Kulturminister Skender Hyseni solle die frühere serbische Provinz in Zukunft als Chefdiplomat repräsentieren, hiess es am Donnerstag in einer Regierungserklärung.

Hyseni war ein enger Verbündeter des 2006 verstorbenen Kosovo- Präsidenten Ibrahim Rugova. Offiziell ernannt wurde Hyseni von der Demokratischen Liga (LDK), einer der beiden Regierungsparteien im Kosovo.

Hyseni hat seit Ende des Kosovo-Krieges 1999 bereits auf vielen internationalen Konferenzen die Belange seiner Heimat vertreten. Unter anderem war er Sprecher der kosovarischen Verhandlungsdelegation bei den von der UNO vermittelten Gesprächen mit Vertretern Serbiens über die Unabhängigkeit.

Das Kosovo hatte am 17. Februar seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Seither haben mehr als 20 Staaten die frühere Provinz als eigenständigen Staat anerkannt, darunter auch die Schweiz. Serbien und Russland lehnen die Eigenständigkeit der früheren serbischen Provinz ab. (sda)

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