Rio 20 : UNO-Umweltgipfel in Rio endet enttäuschend
Aktualisiert

Rio 20 UNO-Umweltgipfel in Rio endet enttäuschend

Nach dem grossen Nachhaltigkeitsgipfel in Rio ist niemand zufrieden. Der Rettungsplan für die Welt wurde vertagt. Jetzt sollen Allianzen geschmiedet werden, um das wenige, was erreicht wurde, umzusetzen.

US-Aussenministerin Hillary Clinton forderte am UNO-Gipfel neue Allianzen.

US-Aussenministerin Hillary Clinton forderte am UNO-Gipfel neue Allianzen.

Nach Abschluss des Nachhaltigkeits- Gipfels der Vereinten Nationen macht sich Ernüchterung breit. Das Treffen in Rio de Janeiro kam nicht über einen Minimalkonsens hinaus: Vertreter aus 188 Staaten verabschiedeten am Freitagabend ein Papier mit dem Titel «Die Zukunft, die wir wollen».

Der 53-seitige Text enthält Massnahmen für Umweltschutz und Entwicklung sowie ein Bekenntnis zum ökologischen Wirtschaften sowie das grundsätzliche Vorhaben, die UNO-Institutionen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit zu stärken. Die bereits im Vorfeld ausgehandelte Abschlusserklärung war während des dreitägigen Gipfels heftig umstritten gewesen.

Auch nach Annahme der Erklärung äusserten mehrere südamerikanische Staaten noch einmal ihre Bedenken. Im Namen der EU machte auch Dänemark noch einmal deutlich, dass sich die Europäer ein ehrgeizigeres Ergebnis gewünscht hätten, jetzt aber komme es darauf an, das erzielte umzusetzen.

Umweltverbände hatten wegen des weitgehend unverbindlich formulierten Abschlusspapiers von einem Scheitern der Konferenz gesprochen.

Leuthard sieht positive Impulse

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff bezeichnete den Gipfel dennoch als einen «historischen Schritt» und auch UNO- Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer «erfolgreichen Konferenz». Es sei eine «solide Plattform» geschaffen worden, auf der nun aufgebaut werden könne.

«Die Reden sind vorbei, jetzt beginnt die Arbeit», sagte er zum Abschluss des dreitägigen Gipfels. «Die Uhr tickt und die Zukunft liegt in Ihren Händen», betonte Ban.

Die Schweiz ist mit dem Ergebnis des Gipfels nicht vollständig zufrieden. Dennoch glaubt Bundesrätin Doris Leuthard an den Sinn der Veranstaltung. Solche Konferenzen schufen den nötigen Druck, um Probleme zu lösen, sagte sie der Nachrichtenagentur SDA.

In Rio de Janeiro seien zahlreiche positive Impulse ausgelöst worden, welche in der Öffentlichkeit nicht stark wahrgenommen würden. «Es gibt zudem keine Alternative zu solchen Konferenzen», sagte Leuthard in der brasilianischen Metropole.

Viele Probleme könnten nicht auf dem bilateralen Weg gelöst werden. Es brauche multilaterale Abkommen. Das sei natürlich ein schwerfälliger Prozess, weil alle eine Stimme haben müssten.

Verhaltene Bilanz

Zum Abschlussdokument zog Leuthard eine verhaltene Bilanz. Einer der Kritikpunkte betrifft die Nachhaltigkeitsziele. Die Schweiz hätte gewollt, dass bereits jetzt definiert wird, auf was sich die Ziele beziehen sollen.

In ihren Gesprächen hätten sich europäische Minister leicht enttäuscht geäussert, sagte Leuthard. Andere Staaten - beispielsweise Indonesien und Chile - seien mit dem Resultat zufrieden.

Umwelt- und Hilfsorganisationen hingegen kritisierten das Gipfelergebnis. Auch Schweizer Organisationen zeigten sich enttäuscht. «Es ist eine Chance verpasst worden», sagte Isolda Agazzi, welche für sechs Schweizer Hilfswerke an die Konferenz reiste, der SDA. WWF Schweiz bezeichnete die Abschlusserklärung in einem Communiqué als «blutleere Seiten».

Eine Reihe von insbesondere europäischen Regierungschefs waren der Konferenz ferngeblieben. Bundespräsidentin Eveline Widmer- Schlumpf sagte ihren Besuch ab, weil geplante Treffen nicht stattfinden konnten. Prominente Abwesende waren US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron. (sda)

Der Rio-Gipfel in Zahlen

45.381 Teilnehmer insgesamt, darunter rund 12.000 Delegierte aus 188 Staaten und drei Beobachter-Staaten, 9.856 Vertreter der Zivilgesellschaft, 4.075 Medienvertreter

- Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs

- 4.363 Sicherheitskräfte, rund 5.000 weitere Beschäftigte und 1.500 Freiwillige

- 571.000 Quadratmeter Konferenzgelände, wovon 100.000 Quadratmeter eigens für den Gipfel errichtet wurden

- Drahtloser Internetanschluss für bis zu 32.000 Nutzer gleichzeitig, acht Kilometer Telefonkabel, 600 Computer-Arbeitsplätze, Netzwerkkapazität entsprechend einer 120.000-Einwohner-Stadt

- 350 Shuttlebusse auf neun verschiedenen Linien

(Quelle: dapd)

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