Aktualisiert 23.03.2014 22:01

Kinderrechte verbessernUNO verlangt Ohrfeigen-Verbot in der Schweiz

Die UNO will Kinderrechte in der Schweiz untersuchen. Ein aktueller Bericht sieht Handlungsbedarf. Namentlich körperliche Züchtigung müsse verboten werden.

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Ohrfeigen gelten in der Schweiz als Körperverletzung. Dennoch soll die körperliche Züchtigung explizit verboten werden (Symbolbild).

Ohrfeigen gelten in der Schweiz als Körperverletzung. Dennoch soll die körperliche Züchtigung explizit verboten werden (Symbolbild).

In der Schweiz wird jedes zweite Kind regelmässig körperlich bestraft. Das hielt eine Untersuchung im Jahr 2004 fest. Dennoch wurde im Parlament 2007 ein explizites Ohrfeigen-Verbot abgelehnt. Grund: Züchtigung von Kindern gilt als Körperverletzung und ist bereits strafbar. 16 europäische Länder haben dagegen Ohrfeigen verboten.

Ein Schweizer Verbot könnte wieder aktuell werden. Denn im kommenden Jahr will die UNO der Schweiz Empfehlungen zur Umsetzung der Kinderrechtskonventionen abgeben, berichtet die «NZZ am Sonntag».

In der Schweiz bestehen grosse Mängel in der Umsetzung der Kinderrechte. Dies besagt der soeben veröffentliche Bericht des Netzwerks Kinderrechte Schweiz, dem auch die Pro Juventute angehört. Die UNO wird auf Grundlage dieses Berichts folgende Empfehlungen an die Schweiz zur Umsetzung der UNO-Kinderrechtskonvention abgeben:

Keine Ohrfeigen mehr: «Alle Arten körperlicher Züchtigung in der Familie und Schule sollen verboten werden.»

Weniger Psychopharmaka für Kinder: Die Schweiz solle Kinder vor der übermässigen Verschreibung dieser Medikamente schützen.

Gemeinden sollen Ausgangssperren für Kinder und Jugendliche streichen.

Babyfenster sollen verboten werden, da sie eine Gefahr zur Vertuschung von Verbrechen wie Inzest darstellten.

Urs Kiener von Pro Juventute begrüsst die Empfehlungen der UNO grundsätzlich, auch wenn ein Ohrfeigen-Verbot nicht gerade zielführend sei. «Aber es ist wichtig, dass die Umsetzung der Kinderrechte von der UNO regelmässig überprüft wird.»

Laut SVP-Nationalrat Hans Fehr hingegen solle sich die UNO auf Länder konzentrieren, wo tatsächlich Handlungsbedarf bestehe. «In der Schweiz werden Kinder sehr gut behandelt», sagt Fehr. Und: Eine Ohrfeige im Ausnahmefall könne erzieherisch mehr nützen als fünf Psychologen.

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