Aktualisiert 18.04.2014 05:12

Keine Menschenrechte?UNO will Nordkorea vors Strafgericht zerren

Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen – ein Bericht der UNO zeigt ein erschütterndes Bild der Leiden von Nordkoreas Bevölkerung.

Wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen hat der UNO-Sonderermittler Michael Kirby gezielte Sanktionen gegen Nordkorea gefordert. Das Land soll vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden. Nur so könnten weitere Verbrechen vereitelt werden.

Die Verantwortlichen für die «Verbrechen, die das Gewissen der Menschheit erschüttern», müssten für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Kirby am Donnerstag bei einem informellen Treffen des UNO-Sicherheitsrats in New York.

Der UNO-Sicherheitsrat solle die Verantwortlichen für Menschenrechtsverbrechen in Nordkorea mit gezielten Sanktionen belegen sowie den Internationalen Strafgerichtshof einschalten, forderte Kirby. Er ist Chef einer Expertenkommission, die Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea untersuchten hatte.

«80'000 bis 120'000 Menschen sitzen in Lagern für politische Häftlinge, Millionen Menschen leiden. Der Hunger ist unvorstellbar», sagte der Australier. «Die Menschen essen Gras und kleine Nagetiere, während das Regime die viertgrösste Armee der Welt unterhält und moderne MiG-Jagdflugzeuge kauft.»

Post für Kim Jong Un

Ein im Februar vorgelegter Bericht der UNO-Expertenkommission listet «Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen» sowie zahlreiche weitere Verbrechen auf, etwa Zwangsumsiedlungen und das Aushungern von Bevölkerungsgruppen.

Der Bericht sei auch Machthaber Kim Jong Un zugeschickt worden. «Denn er ist der Hauptverantwortliche, alle Drähte laufen bei ihm zusammen. Deshalb wäre er auch der erste Adressat einer Anklage.»

Der Bericht stützt sich auf Aussagen von mehr als 80 Nordkoreanern, denen die Flucht gelang. Pjöngjang kooperierte nicht mit der UNO, weshalb Untersuchungen vor Ort nicht möglich waren.

Mäuse und Schlangen

Ein ehemaliger Häftling berichtete, wie er die Leichen von Verhungerten verbrennen und ihre Asche als Dünger verteilen musste. Andere waren gezwungen, ihre unterernährten Babys mit Mäusen und Schlangen zu füttern. Für die Verbrechen könnten nach Einschätzung der Kommission «mehrere hundert» Menschen verantwortlich sein. «Ein Grossteil der Verantwortung» wird der Staatsführung zugewiesen.

Russland und China waren als einzige Mitglieder der Sitzung ferngeblieben. Kirby sagte, dass er dennoch mit breiter Unterstützung für die Forderung seiner Expertengruppe rechne. «Auch China muss besorgt sein, ein Land vor der Tür zu haben, das Atomwaffen und Trägersysteme hat und dabei noch so instabil ist.»

Es sei eine Ironie, dass die USA Nordkorea aus humanitären Gründen mit Nahrung versorgten und das Regime in Pjöngjang seinem Volk die Lebensmittel als Reparationen verkaufe, die die USA zahlen müssten. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.