Aktualisiert 06.03.2010 14:28

IrakUnruhige Zeiten vor den Wahlen

Einen Tag vor der Parlamentswahl im Irak ist einer der Kandidaten unter Terrorverdacht festgenommen worden. Nach Angaben der Wahlkommission handelt es sich um Amer al-Dschanabi aus der Provinz Babylon, der für die sunnitische Konsensfront antreten wollte. Eine Autobombe riss mehrere Menschen in den Tod.

Die Iraker sind am Sonntag zum zweiten Mal seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 zur Wahl ihres Parlaments aufgerufen. Das Votum gilt als Test für die jungen demokratischen Strukturen des Landes, das unter Gewalt, Korruption und Misswirtschaft leidet.

Nach der Festnahme Al-Dschanabis bewerben sich noch 6291 Kandidaten um die 325 Abgeordnetenmandate. Unter ihnen sind 1813 Frauen. Gemäss der Verfassung gibt es bei diesem Urnengang letztmalig eine Frauenquote von 25 Prozent.

Al-Kaida droht Wählern

Die Wahlen sollen rund 200 000 Sicherheitskräfte schützen. Um Terroranschläge zu verhindern, galt bereits am Samstag ein Fahrverbot. Der Ableger der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida im Irak hatte am Freitag im Internet allen Wählern mit dem «Zorn Gottes und den Waffen der Mudschaheddin» - dem Tod - gedroht.

Die Terroristen verkündeten ein «Ausgehverbot» für alle Iraker während der Wahl. Insbesondere gelte das Verbot für die Sunniten, zitierte das auf Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE in Washington aus der Drohung.

Beteiligung der Sunniten entscheidend

Im Irak leben gemäss dem «World Factbook» des US-Geheimdienstes CIA knapp 29 Millionen Menschen. Etwa 97 Prozent davon sind Muslime, die Mehrheit davon Schiiten. Der Anteil Sunniten - arabische und kurdische - wird auf 32 bis 37 Prozent geschätzt.

Der Erfolg der Wahlen wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es gelingt, alle Bevölkerungsgruppen an die Urnen zu locken. Vor allem die Beteiligung der Sunniten gilt als entscheidend für die Suche nach einem Konsens. Beobachter gehen davon aus, dass keines der zahlreichen Wahlbündnisse die Oberhand gewinnen wird.

In New York rief UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Iraker zur regen Beteiligung auf. Alle sollten ihr demokratisches Recht in Anspruch nehmen, hiess es in einer am Freitag verbreiteten Erklärung. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur nationalen Versöhnung.

Mehrere Anschläge

Am Samstag kamen bei Anschlägen mehrere Menschen ums Leben. In der den Schiiten heiligen Stadt Nadschaf wurde auf einem Parkplatz nahe der Imam Ali Moschee eine Autobombe gezündet. Dabei starben nach Angaben der Polizei mindestens sieben Menschen, 50 weitere wurden verletzt. Vier der Toten und fast 40 der Verletzten seien Pilger aus dem Iran gewesen.

In der nördlichen Provinz Salaheddin wurde zudem in der Nacht zum Samstag eine Mörsergranate auf ein Wahllokal abgefeuert. Ein Polizist, der das Gebäude bewachte, sei verletzt worden, erklärte die Polizei. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Terroristen Anschläge verübt. Dabei starben mindestens 45 Menschen.

(sda)

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